Auf der Suche nach einem tollen und mit drei Monaten längeren als für uns gewohnten Projekt, wurde die Idee geboren, den Iron Curtain Trail von Nordnorwegen – so weit wie es die Zeit erlaubt – in südlicher Richtung zu be- und erfahren. Die Geschichte der ehemaligen Ost-West-Grenze sollte uns ab Juli 2020 durch Länder wie Norwegen, Finnland, Russland, die baltischen Staaten und andere führen. Doch dann kam alles anders… Die Grenzen sind geschlossen, Reisewarnungen werden publiziert und viele unserer Bekannten fragen uns, ob es noch möglich gewesen sei, die Anträge auf unbezahlten Urlaub zurückzuziehen.
Die Enttäuschung war da, doch der Gedanke auf die Reise zu verzichten, blieb uns fern. So beschlossen wir, uns nicht über die Einschränkungen zu ärgern, sondern uns über jede neu dazukommende Freiheit zu freuen. Jede Grenze, die geöffnet wird und die an unserem Weg liegt, soll eine neue Chance sein, etwas zu erleben.
Unser ursprüngliches Startland Norwegen wird seine Grenzen für Schweizer*innen voraussichtlich am 20. August öffnen. So werden wir – kurzfristig neu gewonnener Freiheiten, die uns doch noch einen Start im Norden ermöglichen vorbehalten – am 5. Juli im Emmental starten und Richtung Engadin fahren, um die erste (offene!) Grenze nach Österreich zu passieren. Wenn wir einige Tage später in München die Schwester von Martin treffen dürfen (auch eine neu gewonnene Freiheit – war doch die Familie während der Corona-Zeit durch die Landesgrenze ziemlich strikte getrennt…), werden wir schon einiges erreicht und erlebt haben. Weiter wird es wohl nordwärts gehen. Wenn die Grenze nach Tschechien öffnet, vielleicht über Prag, sonst durch den ehemaligen Osten Deutschlands. An der Ostsee angekommen (in Norddeutschland? In Polen? In Dänemark?) werden wir entscheiden dürfen, ob wir «rechts» oder «links» fahren (oder gerade aus? Vielleicht nimmt uns ja eine Fähre mit?). Wenn wir uns irgendeinmal von einer skandinavischen Mücke stechen lassen dürfen, werden wir uns schon einmal (aber nur einmal) sehr freuen! Wer weiss, vielleicht stellen wir tatsächlich unser Zelt oberhalb des Polarkreises oder sogar in der Nähe des Nordkaps auf? Vielleicht bleibt es aber auch bei den (nach Aussagen von veloreisenden Freunden (gäu Martina) wunderschönen) Ostseestränden der baltischen Staaten? Wir wissen es nicht und freuen uns darüber, es nicht zu wissen!
All diese Fragezeichen sollen für unser Projekt keine Einschränkung sein, sondern ein zusätzlicher Gewinn. Eine Chance, sich über alles zu freuen, was möglich ist!

Alles planbare erstellen wir über komoot. Unter dem Folgenden Link finden sich die Strecken-Details für den Teil bis Prag:
https://www.komoot.de/collection/958099/-von-zuhause-bis-prag?ref=wcl