Kategorien
Dänemark - Norwegen

5. bis 10. August – Grenze Dänemark – Kopenhagen oder ein Kindervelo für die Jubilarin

Nach der überraschend einfachen Ankunft in Dänemark fahren wir gleich noch 25 Kilometer ins Land hinein, weil wir die gebuchte Jugendherberge in Nykøbing Falster erreichen wollen. Nach zwei Kilometern erreichen wir das zweite Jubiläum auf unserer Tour: die 2000 Kilometer sind geschafft!

Der starke Rückenwind bläst uns ins Land hinein und wir fahren teilweise mit 30 km/h über das flache Land. So macht’s Spass! In Nykøbing angekommen beziehen wir ein schönes Zimmer und finden im Städtchen etwas zu Essen. Die Stimmung ist gut und wir freuen uns endlich in Skandinavien angekommen zu sein.
Auch am nächsten Morgen verwöhnt uns der Wind und lässt uns die ersten Kilometer praktisch rasend zurücklegen. Als wir bei der schönen Holzfähre, die uns von der Insel Falster zur Insel Møn bringt, ankommen haben wir erneut Glück: wir warten keine 10 Minuten auf die Abfahrt der stündlich verkehrenden Fähre.

Weiter fahren wir hauptsächlich über Nebenstrassen, aber bei heissen Temperaturen (O-Ton einer etwas älteren Dänin vor dem Supermarkt: „You have to drink a lot, it’s hot!“ wir: „Yes we know and we did drink a lot!“ sie: „But I mean water!“). Der Wind kommt jetzt von der Seite, wir kommen nicht mehr gleich schnell vorwärts und die Sonne brennt! Da hilft es, wenn die Windschattenposition mal getauscht werden kann. Auch wenn es dabei bei der Navigation schon mal zu Missverständnissen kommen kann…
Total erschöpft erreichen wir nach knapp 110 km den vorreservierten Camping in Rødvig. Die trockenen Witze, die der Platzbesitzer macht („Are you warm?“), muntern uns auf. Tinu hat den Ehrgeiz, die nächste Etappe nach Kopenhagen noch unter 90 km zu kürzen. So startet er Komoot und beginnt zu planen. Während er zwischendurch die Corona-News checkt (etwas, das wir uns angewöhnt haben, um ansatzweise zu wissen, wo wir hin können und wo nicht), entdeckt er die nächste Hiobsbotschaft: Die Schweiz ist auf der norwegischen Quarantäneliste rot markiert. Das bedeutet, als Schweizerin muss man bei der Einreise nach Norwegen einen privaten Ort vorweisen können, an dem man sich für 10 Tage in Quarantäne begibt. Nicht schon wieder!

Unschöne Nachrichten im Bund

Jetzt kommt aber erst einmal Kopenhagen und wie es weitergeht schauen wir dann später! Wir schlafen wunderbar und machen uns auf die letzte Etappe zu einem Ort, mit dem wir vor unserer Tour nicht gerechnet hätten, der uns aber ohne Frage in Erinnerung bleiben wird! In einer Pause schreiben wir ein Mail an die norwegische Botschaft in der Schweiz und schildern unseren „Fall“, um herauszufinden, ob es für uns vielleicht ein Einreiseschlupfloch gibt. Weil bereits Freitag ist, rechnen wir aber nicht mehr mit einer Antwort vor dem Wochenende. Auch heute verwöhnt uns der Wind und wir kommen gut voran. Die Abkürzungen von Tinu (die Etappe ist jetzt noch 83 km lang) helfen zwar vorwärts zu kommen, bescheren uns aber auch immer wieder Fahrten an vielbefahrenen Strassen. (Nicht AUF diesen Strassen, sondern konsequent daneben. Wir haben in Dänemark kaum eine Strasse erlebt, die keinen zweispurigen Fahrradweg daneben hat.) Das macht uns zwar schneller, aber die Fahrt nicht zwingend schöner. Bereits bei der Einfahrt in die Stadt sind wir gleich mehrfach beeindruckt: Als erstes von der Architektur. Wir sind uns einig, (und das ist bei diesem Thema doch eher die Ausnahme) dass die modernen Gebäude toll aussehen. Auch dass jedes Haus ans Wasser angehängt ist, gefällt uns.

Später beeindruckt uns die Fahrradfreundlichkeit der Stadt. Die 1000en von Fahrrädern in verschiedensten Ausführungen funktionieren untereinander ohne grosse Probleme und die Autofahrerinnen nehmen Rücksicht auf die meist 2-rädrigen Verkehrsmitstreitenden. (Auch wenn sie bei einer Ampel gut und gerne 20 und mehr Drahtesel passieren lassen müssen, bevor sie rechts abbiegen können). Auch wir finden einen (aus unserer Perspektive, was die Einheimischen über uns dachten wissen wir nicht…) guten Umgang mit dem Velogewusel sind auf direktem Weg beim Hotel.
Mit Tinu’s Arbeitskollege gibt es heute nur ein schnelles Apéro weil er zum Znacht abgemacht hat. Trotzdem ist die Freude gross Tom und Janine auf diese doch etwas spezielle Art in Kopenhagen anzutreffen.

So verbringen wir den Abend zu zweit mit der traditionell ausgedehnten Restaurantsuche (zu voll, keinen Platz, keine Ahnung was das auf der Karte bedeutet, zu chic, nur Meeresgetier, italienisch ist zu wenig dänisch usw., wir erinnern uns an den Blogeintrag von München…). Nach einer Weile finden wir tatsächlich etwas (Burger und Salat. Man könnte hier diskutieren ob Pizza oder Burger dänischer ist…) und setzen uns erleichtert hin. Das Essen schmeckt! Bei der Rechnung bleibt uns aber die Spucke weg: Zwei Getränke, ein Salat (mit Lachs und anderen Delikatessen), und ein Burger: Etwas über 80 Franken. Etwas ernüchtert studieren wir zurück im Hotel die Big Mac-Studie und merken, dass uns in Norwegen ähnliches erwarten dürfte. Upps!
Huch da haben wir etwas vorgegriffen. Aber dass im letzten Satz Norwegen erwähnt ist, ist kein Zufall: In der Zwischenzeit hat uns die norwegische Botschaft nämlich folgende Nachricht zukommen lassen:

Wir freuen uns sehr darüber, nun doch noch in einem unserer Traumländer einreisen zu dürfen und buchen kurzerhand die Fähre von Kopenhagen nach Oslo für den Montagnachmittag.
Am Samstagmorgen bringen wir erst einmal Monikas Fahrrad zum Mechaniker. Am Telefon hat „Buddha Bikes“ einen sehr sympathischen Eindruck gemacht und auch als wir dort ankommen werden wir sehr freundlich begrüsst. Das zerrissene Lichtkabel zu reparieren sei eine kleine Sache und am Montag um 11 Uhr sei das ganz sicher erledigt. Auch ein Ersatzgefährt für Monika haben sie. Dass nun ausgerechnet das GeburtstagsKIND ein altersgerechtes Fahrzeug erhält amüsiert die eine Hälfte des TiMonTour-Duos und verunsichert die andere. Doch es dauert nicht lange bis sie die moderne Architektur Kopenhagens mit ihrem Eingänger mit Rücktritt im wahrsten Sinne des Wortes erFÄHRT. Und Freude daran hat sie auch noch!

Nach einem Nachmittag auf der Suche nach Schatten, machen wir uns mit Tom, Janine, Raphael und Jacqueline auf den Weg zum Restaurant. Sie haben etwas exklusives ausgewählt, meint Kopenhagenkenner Raphael. Dass es definitiv exklusiv ist, erkennen wir bereits am Michelinstern neben dem Eingang. Kurzerhand beschliessen wir, den heutigen Tag aus der Ausgabendurchschnittsberechnung unserer Reise zu streichen und das Essen zu geniessen (Was wir definitiv taten!).
Unser Gourmet-Nichtkennertum stellt Tinu unter Beweis als er kurzerhand das Handy zückte, um die grandiosen Essens-Zusammenstellungen fotografisch festzuhalten. Später am Abend erfahren wir, dass „man“ Essen fotografieren nicht macht. Tinu möchte es etwas näher wissen: Warum macht „man“ das nicht? Das Restaurant sollte doch ein Interesse daran haben, wenn ihre schönen Kreationen festgehalten werden?! Niemand findet ein logisches Darum: Ist halt einfach so! Darum erlauben wir uns auch die Fotos hier einzufügen:

Nach dem Essen und dem gemütlichen Bier im Anschluss (bis 0:00 aus dem Glas, dann umschütten in den Kaffeebecher: Dänemark hat diesbezüglich ausserordentlich strenge COVID-Regeln), verabschieden wir uns von der super Gesellschaft und fahren Richtung Hotel. Merci euch, es waren schöne Stunden, spannende Gespräche und wir konnten viel (unter anderem über Architektur) erfahren!
Nachdem wir den Sonntagvormittag im Waschsalon verbracht haben, wollen wir am Nachmittag noch den einen oder anderen Tourismus-Pflichtbesuch „erledigen“. Wir entscheiden uns gegen das Tivoli und für die berühmte Meerjungfrau.

Auf dem Rückweg zum Hotel kommen wir bei einem Platz mit vielen Restaurants vorbei. Wir machen ab, dass wir zur Znachtzeit diesen Platz nicht verlassen, bevor wir gegessen haben. Zuversichtlich heute Abend das schon fast legendäre Restaurantproblem umgehen zu können, gehen wir zurück zum Hotel. 2 Stunden später machen wir uns zu Fuss auf, den ominösen Platz aufzusuchen (Tinu hat auf der Karte extra einen Favoriten gesetzt, damit wir ihn sicher wieder finden.) Kurz nachdem wir beim Hotel losgegangen sind, kommen wir bei einem Restaurant vorbei. Wir gehen zweimal daran vorbei und schauen den Gästen unauffällig auf die Teller (ok, da würden wir verstehen, dass „man“ das nicht macht… Aber es hilft!). Sieht glustig aus! Also nehmen wir im ERSTEN Restaurant das wir sehen einen Tisch und essen wunderbar (und preiswert) zu Abend. Den Restaurantplatz mit dem Favoritenpunkt auf der Karte haben wir gar nicht erst betreten.
Den Montagmorgen haben wir detailliert geplant: Nach dem Frühstück bringen wir alles Gepäck von unserem Zimmer im 5. Stock in die Lobby. Als wir mit 4 mal laufen alle Taschen, Siggflaschen, das Zelt, die Regenkleidertasche und alles andere beim Lift haben, gehen alle Lichter aus und der Lift fährt nicht mehr. Stromausfall! Also tragen wir alles Gepäck die Treppe runter und checken aus. Der Nächste Punkt auf der Planungsliste ist, mit allem Gepäck und Monikas Ersatzfahrrad die fünf Kilometer zum Velogeschäft zu fahren. Doch weil an Monikas Gefährt keine einzige Tasche gehängt werden kann, muss alles irgendwie an und auf Tinus Fahrrad und Anhänger Platz finden.

Dass Monikas Fahrrad unter mässig kreativen Ausreden nicht repariert wurde enttäuscht uns, doch wir freuen uns auf Norwegen und können mit etwas konsequentem Nachhacken sogar verhindern, dass wir uns bei der Fähre zuhinterst in die Autoschlange (an der bratenden Sonne) einreihen müssen.
Nun sitzen wir in unserer Koje auf der Fähre und wenn wir morgen erwachen, sind wir in Norwegen.

Anmerkung: Die Norweger empfingen uns äusserst freundlich und der Polizist, der uns kontrollierte, schaute zwar genauer hin und fragte nach, liess uns aber problemlos einreisen! Nun haben wir die Fahrräder noch einmal zu einem Mechaniker gebracht und schauen uns Oslo an.

Kategorien
Dresden nach irgendwo

3. bis 5. August – Bertingen – Rostock oder warum uns ein Bier wie wild in die Pedale treten lässt

Einmal mehr schmieden wir also unsere Pläne neu, bevor wir das nächste Zwischenziel erreicht haben. Nun geht es nicht mehr Richtung Kiel, aber dennoch an einen Hafen, wo eine Fähre auf uns wartet.
Am Montag packen wir unser immer noch nasses Zelt zusammen und verlassen das Tipidorf in Bertingen definitiv. Der Wind meint es immer noch nicht gut mit uns und wir kämpfen weiterhin gegen ihn an. Auch sonst kommen wir nicht so recht voran, aber es ist ja auch wieder einmal Montag.

Monika unterwegs auf dem Elberadweg

In Havelberg verlassen wir die Elbe endgültig und folgen einigen kleineren regionalen Radwegen, damit wir am nächsten Tag auf die neugewählte grössere Zielroute stossen können. Tja, wir merken bald, dass wir nicht mehr auf einem überregionalem Radweg sind… Landschaftlich zwar ganz hübsch, kämpfen wir uns plötzlich durch einen Wald, der aus Sandbergen besteht. Mit unseren schweren Rädern da durchzukommen ist nicht ganz einfach. Irgendwie will das Ziel nicht näher kommen. Dabei sind wir ziemlich gespannt auf unseren Übernachtungsplatz. Mehr per Zufall sind wir auf einen Platz, in perfekter Tagesdistanz (v.a. wenn das Bier ruft) gestossen, bei dem nicht so ganz klar war, worum es sich handelt. Am Telefon hiess es allerdings, das Zelt kann gestellt und bezahlt beim Badesee werden. Monika hat die von Tinu errechneten Kilometer im Griff und weiss genau, dass doch jetzt bald mal nach rechts abgebogen werden sollte, von einem See ist aber weit und breit nichts zu sehen. Plötzlich stoppt Tinu an einer Hausecke. Als wir rechts abbiegen landen wir tatsächlich auf einem «Campingplatz». Es gibt 5 Stellplätze für Wohnmobile (3 belegt), 6 Hütten (2 vermietet) und eine riiiiesige Zeltwiese, auf der unser Zelt als einziges fast ein bisschen verloren wirkt. Für 5 Euro haben wir den bisher wohl schönsten und auch saubersten Übernachtungsplatz unsere Reise gefunden!
Am Dienstag geht’s trotz Gegenwind wieder besser vorwärts. Die von Tinu geplanten Tagesetappen sind relativ lang, v.a. mit diesem wind, aber wir haben ein Ziel vor Augen und so bleibt nicht wirklich Zeit, uns etwas anzuschauen. Tinu möchte ganz gerne noch seine Abkürzungen erwähnt haben, die uns auf dieser Tour tatsächlich auch mal durch wunderschöne Waldwege führen und so nebst gesparten Kilometern auch unsere Durchschnittszeit ein bisschen aufbessern. Bei Alt Schwerin erreichen wir die Berlin – Kopenhagen Route, welcher wir nun bis ans Ende folgen.

Das nächste Zwischenziel heisst nämlich Kopenhagen. Tom (der im letzten Bericht erwähnte Arbeitskollege von Martin und Janine (seine Frau) verbringen einige Ferientage dort und haben uns nach unserem Hänger, als wir das Baltikum von unsere Liste streichen mussten, ein neues Ziel geliefert. Wegen ihnen sind wir nun ein bisschen in Eile, weil sie am Freitagabend mit einem Bier in Kopenhagen auf uns warten.
Geografisch sind wir momentan auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Wir fahren wieder vermehrt durch Wälder, über Stock und Stein bzw. Wurzeln und Tinu ist froh um den einrädrigen Anhänger.

Auch unser heutiger Schlafplatz liegt an einem der vielen Seen, davon bekommen wir allerdings nicht viel mit. Damit wir morgen nach Dänemark einreisen dürfen, müssen wir 6 gebuchte Übernachtungen vorweisen können. Das Buchen braucht einiges an Zeit und fällt uns ziemlich schwer, waren wir doch bis jetzt immer sehr spontan unterwegs.
Nicht ganz glücklich mit den in aller Schnelle reservierten Unterkünften fahren wir am Mittwoch relativ früh los. Bis Rostock sind es 85km und wir würden ganz gerne die Fähre nach Gedser um 15.30 erwischen, denn in Dänemark erwarten uns dann noch einmal 25km Fahrt – Buchung in Eile sei Dank. Mit einer anderen Buchung hat es etwas besser geklappt, der Wind lässt uns für einmal nicht im Stich. Er bläst uns Richtung Meer und wir erwischen unsere Fähre ohne Probleme.

In Rostock angekommen…

Nachtrag: Den Bericht oben haben wir noch im Bauch der Fähre fertig geschrieben, als wir darauf gewartet haben, an Land gehen zu können. Auf der Fähre war noch ein anderer Radfahrer. Wir haben bereits in Rostock gemeinsam diskutiert, wie das wohl ablaufen wird, wenn unsere Hotelbuchungen alle überprüft werden sollen. Er hat seine Reservationsbestätigungen, (Von Reservationen, die er bereits wieder storniert hat) noch in einem Copyshop ausgedruckt. Wir würden dann halt alle unsere Mails einzeln vorweisen, diese Regel war ja schliesslich nicht unsere Idee… Wir fahren also in Gedser von der Fähre, schön auf der Fahrradspur, eine kurze Strecke über den Hafen, neben einen Polizeiauto vorbei und dann sind wir im Dorf. Dort lachen wir uns alle drei krumm – zum Glück haben wir so viel Zeit und Nerven in das Buchen investiert…

Kategorien
Dresden nach irgendwo

30. Juli bis 2. August – Dresden – Bertingen – oder ein Fluss, der Wind und viele Bekanntschaften

Mit etwas Enttäuschung im Bauch fahren wir in Dresden ab, weiter elbabwärts. Bald merken wir, dass der Wind weder gedreht noch nachgelassen hat. Für die mit 128 km sehr lange Etappe ist das eine unangenehme Entdeckung. So geht es denn auch eher mühsam voran und wir sind froh um jeden Wald, der den Wind etwas abhält oder jede Biegung der Elbe, die dafür sorgt, dass der Wind uns nicht ganz frontal trifft. Die Etappe zieht sich hin und wir sind auf der Suche nach dem Reiz des Elberadweges. Wir fahren oft durch Industriegebiete, durch riesengrosse Monokulturen (meistens kilometerlange Felder mit Weizen) und sehen die Elbe nur selten. Ob wir die falsche Elbseite „erwischt“ haben? Wir wissen es nicht. Den ganzen Nachmittag hat Tinu versucht auf dem Camping in Prettin jemanden zu erreichen, um sichergehen zu können, dass es für uns eien Platz gibt. Auf beiden Nummern auf der Homepage nahm aber niemand das Telefon ab. Nach 126 Kilometer Kampf gegen den Wind erreichen wir Prettin um 18:20 Uhr und überlegen, ob wir uns wohl zuerst beim Camping anmelden oder zuerst einkaufen sollen. Wir entscheiden uns für letzteres und sind um 18:45 vor der Barriere des Campings. Beim Büro stehen die Öffnungszeiten der Rezeption: Bis 18:30 Uhr… Doch die Rettung in Form einer Platzwartin kommt! Sie muss bloss noch etwas trinken, weil sie einen strengen Tag hatte. Die Idee finden wir gut und tun es ihr gleich. So ist das Eis gebrochen, wir haben einen sympathischen Empfang und überlegen gemeinsam, warum es Sinn macht, dass die Übernachtungsgebühr mit der Karte bezahlt werden kann, die Duschmarken aber nicht (Resultat der Überlegungen: Die Chefin will es so!).
So verbringen wir einen wunderschönen Abend mit Sonnenuntergang über dem kleinen See.

Am nächsten Tag stehen etwas über 100 km auf dem Programm. Die Hoffnungen, der Wind könnte gedreht haben, verwehen rasch und so kämpfen wir einen weiteren Tag gegen den Wind. Die Landschaft wird immer schöner und es gibt immer wieder schöne Abschnitte direkt der Elbe entlang. Wir verstehen langsam, warum der Elberadweg so gut ausgebaut ist und warum es kaum einen Kilometer gibt, auf dem kein Schild auf „Eispause für Radler“, „Radfahrerfreundliche Pension“ oder „Abschliessbare Fahrradparkplätze“ hinweist. (Die Berge vermissen wir trotzdem ein wenig! Die rund 250 Höhemeter, die wir auf dem Elberadweg zusammenbekommen sind hauptsächlich Auf- und Abfahrten vom Elbdamm). So treffen wir denn auch immer wieder Radfahrer und kommen mit ihnen und anderen ins Gespräch. Am Abend erreichen wir Aken und das Zeltfeld direkt an der Elbe (näher geht kaum). Beim Kochen setzen sich zwei Radfahrerfamilien zu uns und es ergeben sich spannende Gespräche im Englisch-Deutsch-Slowenischen Sprachengemisch (zur Freude der Eltern und zum Leid der Jugendlichen, dass letztere ihr Schulenglisch auspacken mussten). (An dieser Stelle falls ihr es lest: It was eine Freude, euch to meet!)


Am nächsten Morgen die Überraschung für alle: Der Wind hat gedreht! Vorfreude und grosse Ziele was die Tagesdistanz angeht kommen auf. Wir bleiben bei den geplanten 100 Kilometern. Tatsächlich kommen wir viel besser vorwärts als die Tage zuvor und wir haben Spass zu fahren. Immer wieder treffen wir Leute, mit denen wir ins Gespräch kommen: Da ist zum Beispiel der sympathische Fährmann, der sich zuerst über den Anhänger, dann über die Tatsache, dass Tinu („der Mann“) mehr Kleider dabei hat als Monika („die Frau“) und zum Schluss darüber, dass man 3 Monate Urlaub machen kann wundert. Oder da ist die Frau vor der Bank, die uns von Herzen einen schönen Urlaub wünscht. Oder da ist der Franzose, der in Leipzig lebt und sich trotz Corona-Regeln zu uns an den Tisch setzt und sich ein spannendes Gespräch entwickelt (Z.B.: Was bedeutet Zeit? Radfahrer haben einen eigenen Zeitbegriff, weil man die Welt auf eine eigene Art und Weise bereist und entdeckt).
So kommen wir nach einem heissen Tag (Wir haben „nur“ 32°C, das scheint ja im Gegensatz zu dem, was wir aus der Schweiz hören, harmlos. Geschwitzt haben wir trotzdem!) in Bertingen auf dem wirklich tollen und wirklich radfahrerfreundlichen Campingplatz an. Die „weltbesten Schweizer“ erhalten einen besonders schönen Stellplatz. Und dann kommt der Regen! Nachdem wir während den vergangenen Wochen einmal etwa 3 Stunden und zweimal etwa 1 Stunde Regen hatten, ist das ein seltsames Gefühl. Im Zelt sind wir aber im Trockenen und geniessen die Tropfen.

Warten auf besseres Wetter


Am nächsten Tag würden 133 Kilometer auf dem Tagesplan stehen. Bei strömendem Regen und Gewitter wollen wir uns das aber nicht antun und die Etappe zu kürzen erscheint uns nur bedingt sinnvoll, weil es für den weiteren Verlauf nichts bringen würde. So bleiben wir eine zweite Nacht in Bertingen und schmeissen unsere Pläne ein weiteres Mal komplett über den Haufen. Dazu aber das nächste Mal mehr. Kleiner Cliffhänger: Das das Ziel ist nicht mehr Kiel und Tinus Arbeitskollege hat etwas damit zu tun…

Kategorien
Prag - Dresden

28./29. Juli Dresden – oder alles geht schief

Trotz Gegenwind erreichen wir Dresden am frühen Nachmittag. Da wir zwei Übernachtungen eingeplant haben, sollte uns genügend Zeit bleiben, die geschichtsträchtige Stadt zu besichtigen und unsere weitere Route zu planen. Doch bereits als wir beim Hotel eintreffen, entdecken uns das erste Malheur. Die Deichsel bei unserem Anhänger scheint angebrochen zu sein. Zum Glück früh erkannt, einen Durchbruch bei voller Fahrt wollen wir uns lieber nicht vorstellen. Einmal tief durchatmen und überlegen, wer uns dieses Teil wieder zusammenschweissen könnte. Wir finden das Bikehospital und die lustige Beschreibung auf der Webseite lässt uns dort anrufen („Egal, wo du dein Rad gekauft hast, es sind alle Krankheiten willkommen und wir haben für jedes Zipperlein und auch für schwere Notfälle die passende Medizin“). Der Typ kann uns zwar nicht mit einer Schweissnaht dienen, aber immerhin können wir am nächsten Tag Öl für Tinus leckende Rohloffschaltung holen (Ja, irgendwie will die nicht so recht… Wir hoffen, ein bisschen Flüssignahrung stellt sie vorläufig zufrieden). Wir erweitern unsere Suche und finden ca. 6km elbabwärts einen Schweisser, der, wie er ums erklärt, selbst Freizeitradfahrer ist und für unser Problem eine Lösung finden will. Dazu bestellt er uns am nächsten Morgen um 7.30 in seine Werkstatt.
Somit bleibt doch noch etwas Zeit, die Stadt zu besichtigen. Im Zweiten Weltkrieg wurden grosse Teile von Dresden komplett zerstört und der Wiederaufbau und die Erinnerung an diese Zeit sind immer noch überall erkennbar.
Während unserer Stadtschlenderei wägen wir die Pros und Contras für unsere weitere Routenwahl ab. Grob haben wir drei Möglichkeiten: 1. Weiter Richtung Berlin an die Ostsee, 2. Entlang des Neusse-Oder-Radwegs an die Ostsee oder 3. Quer durchs Land Richtung Lübeck / Kiel. Die beiden ersten Routen würden uns zwar relativ schnell an die Ostsee und damit auf den ursprünglichen Plan, den Iron Curtain Trail (in entgegengesetzter Richtung) bringen, aber wir müssten in Polen und Litauen gut 700km durchs Land fahren, damit wir Kaliningrad umfahren können. Da Polen sowohl was Radwege als auch Corona betrifft nicht ganz unbedenklich ist und es von Kiel eine Fähre nach Litauen gibt, entscheiden wir uns für Variante 3.
Nachdem wir eine Nacht darüber geschlafen, unseren Trailer in aller Frühe geflickt (zum Glück gibt’s im Hostel bereits ab 6.00 Frühstück), uns über die aktuelle Situation informiert und die Routen (inklusive Ersatztag) geplant haben, buchen wir die Fähre Kiel-Klaipéda am 6. August. Nun steht wieder Sightseeing auf dem Programm. Zudem müssen wir einige Dinge ersetzen, die auf unserer Reise an verschiedenen Orten liegen geblieben sind. Bei Kaffee und Kuchen ereilt uns der nächste Schock. Die Berner Zeitung „Der Bund“ schreibt, dass nun auch die baltischen Staaten die Schweiz auf die gelbe Liste gesetzt haben. Länder mit mehr als 16 Infektionen pro 100‘000 Einwohnende während der letzten zwei Wochen (in Finnland sogar 8/100‘000) müssen für 14 Tage in Quarantäne. Der Bund verlinkt veraltete Informationen in seinem Artikel (nämlich die, die wir bei unseren vermeintlich gründlichen Recherchen auch gefunden haben). Nach weiterem Suchen, zig Anrufen beim litauischen Konsulat und nicht viel hilfreicheren Antworten (ist nun die Staatsbürgerschaft oder das einreisende Land für die Quarantäneregelung massgebend und würde es evtl. etwas bringen, wenn wir noch zwei Tage länger in Deutschland bleiben würden, damit wir volle zwei Wochen ausweisen könnten und unser Tschechienaufenthalt uns nicht mehr zum Verhängnis wird…?!) entscheiden wir uns, die Fähre zu stornieren. Dies ist wider Erwarten per Telefon kostenlos möglich. (Vielleicht sind wir bei DFDS bereits von unserer Schottlandtour ROT im System vermerkt… Aber das ist eine andere Geschichte…)
Nach diesem ganzen Frust beschliessen wir, fein Essen zu gehen. Wir haben gestern bereits ein italienisches Restaurant entdeckt, das frische Pasta serviert. Heute sind wir schlauer und reservieren einen Tisch. Als Grund wählt Tinu „romantisches Essen“. Wir sind gespannt, ob von dieser Wahl etwas zu erkennen ist. Ist es nicht. Das Essen ist allerdings mehr als ausgezeichnet und sogar der Wein wird unseren Wünschen gerecht. Die leichtere Person unseres Duos ist sogar der Meinung, dass der Trailerfahrer eventuell ebendiesen holen muss, um sie nach Hause zu transportieren. Man könnte ja dann auch gleich testen, ob der Schweisser gute Arbeit geleistet hat… Der (sehr kurze) Heimweg wird dann doch zu Fuss bewältigt. Da wir zum ersten Mal im Lokal sind, gibt es noch 2 Portionen frische Spaghetti zum Mitnehmen. Für unser Nachtessen morgen ist also schon vorgesorgt. Das MammaMia in Dresden können wir allen Pasta-Liebhaber*innen wärmstens empfehlen.
Unsere geplante Route von Dresden nach Kiel bleibt vorerst bestehen und wir machen uns morgen in relativ grossen Etappen auf an die Nordsee. Was uns danach erwartet, ist wieder einmal ungewiss, aber das ist ja schliesslich das Motto unserer Reise…

Kategorien
Prag - Dresden

25. bis 27. Juli – Prag – Dresden oder zurück in die Schweiz

Nach erlebnisreichen Stunden in Prag machen wir uns am Sonntagmorgen auf den Weg Richtung Dresden. Wir planen drei Etappen wobei wir mit einem zusätzlichen Wandertag im Grenzgebiet zwischen Tschechien und Deutschland liebäugeln. Die Fahrt, zuerst der Moldau und anschliessend der Elbe entlang, hat kaum Steigungen, weshalb wir eine kilometermässig lange Etappe planen. Aus unseren Erfahrungen mit Grossstädten (München einmal ausgenommen), kann das Verlassen einer Stadt anstrengend und mühsam sein. Nicht so in Prag: In wenigen Minuten sind wir vom Hotel an der Moldau und dort geht es auf vorbildhaften Fahrradwegen aus der Stadt heraus. Wow, das hätten wir nicht erwartet! Sogar auf holprigen Pflastersteinen wurde an die Fahrradfahrerinnen gedacht:

Auch die weiteren Kilometer der Moldau entlang sind sehr schön zu fahren und wir kommen gut vorwärts. So kommt es, dass die Kilometerzähler beim Mittagessen beinahe 50 anzeigen. Wir haben uns in den vergangenen Tagen wohl doch schon eine gewisse Grundfitness antrainiert! In Mělnik fliesst die Moldau in die Elbe (die in Tschechien aber noch nicht Elbe, sondern Labe heisst).

Mělnik

Es geht weiter sehr gut vorwärts. Unser Tagesziel ist das «Auto Kemp» in Litoměřice. Unterwegs treffen wir aber immer wieder auf Hinweise zu «Cyklo Kemps». Das «Cyklo» Fahrrad bedeutet haben wir mittlerweile gelernt und warum Cyklo Kemp uns sympathischer als Auto Kemp ist, ist wohl nicht nur für fleissige Blogleserinnen nachvollziehbar. So entscheiden wir nach 108 gefahrenen Kilometern, noch deren 20 anzuhängen – in Vorfreude auf ein velofreundliches Schlafen!
Als wir im Cyklo Kemp Shipyard ankommen, werden wir tatsächlich freundlich empfangen: einerseits von der freundlichen Receptionistin (aka Barmaid), andererseits von sehr vielen (geschätzt 50) jungen, mehrheitlich Männern, die alle dasselbe T-Shirt tragen und dieselbe Flüssigkeit in ihren Gläsern haben. Schön, dass sie unsere Ankunft so lautstark feiern!
Die Rezeptionsbarfrau verweist uns mit einem charmanten Lächeln auf einen Stellplatz hinter dem Haus – «Because of the Party!». Die Duschen (an Thurnhallenduschen erinnernde, mit grauen (waren mal andersfarbig) Vorhängen zwischen Männern und Frauen abgetrennte, nach der Flüssigkeit die hochkommt, wenn man mit dem Entstopfungsstöpsel den Badewannenabfluss bearbeitet, riechende Räume) funktionieren. Beim WC-Gang kreuzen sich die Wege der (wohl doch nicht uns, sondern irgend einen Meistertitel) feiernden Horde junger Männer wieder mit unseren. Näher über den Zusammenhang der Treffsicherheit am Kreuzungspunkt und dem den Feiernden ausgeschenkten Getränk zu schreiben, wäre einem Reisebericht nicht würdig. Deshalb lassen wir das an dieser Stelle sein.
Nach einer unruhigen Nacht (die Party dauerte an und «hinter dem Haus» reichte leider nicht aus, dass wir nicht mehr von «Jonny Deppdeppdepp» und «Bella Ciao» (auf tschechisch) unterhalten wurden), fahren wir los und freuen uns von dort wegzukommen.
Für die heutige Übernachtung sind wir um einiges zuversichtlicher: Der Aktivhof Porschdorf ist zwar nicht direkt an der Elbe, aber er wurde uns direkt empfohlen. Und die Empfehlung ging voll und ganz auf!

Schöne Aussichten von der Haus-(Zelt-)Türe

Wir geniessen die gute Stimmung unter den Gästen des Aktivhofes und entschieden, die «Sächsische Schweiz» und ihre speziellen Felsformationen noch einen weiteren Tag zu geniessen. So können wir ohne Rückreise in die Heimat, die Schweiz erleben. Wir lassen uns eine Wanderung empfehlen und begeben uns am Morgen statt auf die Räder auf Schusters Leisten. Die Wanderung zieht sich über knapp 4 Stunden hin und endet in Bad Schandau, von wo wir mit dem Bus wieder nach Porschdorf fahren. Wir reissen Witze darüber, dass «wandern» bei uns eher «spazieren» bedeutet und kochen uns ein feines Znacht.

Die Quittung kommt am nächsten Tag (wobei man sich unter den Teilnehmenden der TiMonTour über die Ausprägung dieser «Quittung» nicht immer ganz einig ist): Die Waden schmerzen vor Muskelkater und noch am Tag als dieser Bericht verfasst wird (die massiv-alpine-langstrecken-Bergwanderung ist nun 3 Tage her), schmerzen dem Schreiberling die Waden. Das war’s dann mit der Freude über die tolle Konditionszunahme… (Vielleicht kann uns dieses Phänomen irgend eine Physiotherapeutin oder jemand mit ähnlichen Kenntnissen erklären??? Kommentare sind herzlich willkommen!).
Nach diesen zwei herrlichen Tagen in Porschdorf fahren wir die 50 Kilometer nach Dresden. Schon während den letzten 20 Kilometern erhalten wir einen Vorgeschmack darauf, was uns hier erwartet: Wir kämpfen gegen heftigen Gegenwind!

Kategorien
München - Prag

21. bis 24. Juli – Furth – Prag oder Tschechien und die Farradwege

Der letzte Tag in Bayern bricht an! Nach der trockenen Regen(-Fluss-)Fahrt, erleben wir tatsächlich noch eine Regennacht. Mehrmals regnet es in dieser Nacht heftig und das Zelt ist am Morgen tropfnass. Unser Nachbar ist bereits fleissig und schmeisst fortlaufend Nacktschnecken aus seinem Zelt. Wir scheinen aber mit unserem Platz mehr Glück gehabt zu haben, finden wir doch genau eine Schnecke an den (aus genau diesem Grund) vorsichtshalber mit der Sohle nach oben gedrehten Sandalen. Der Rest unseres Materials ist schneckenfrei. So können wir uns bald auf das Frühstück stürzen. Obwohl wir dafür auch schon motivierter waren: Der am Vorabend im Penny-Markt gekaufte, in Plastikfolie eingepackte und bis in alle Ewigkeit haltbare Rosinenzopf ist nicht das, was wir zum Frühstück zaubern würden, wenn zaubern denn möglich wäre. Aber mit kaum bezahlbarem Lindt-Schoggiaufstrich (in Italien hergestellt, in Deutschland gekauft…) veredelt, lässt sich auch das essen.
Als das Zelt tatsächlich etwas trocken ist, starten wir. Zuerst geht es dem Iron Curtain Trail (eigentlich fast witzig, weil genau dieser unser ursprünglicher Plan gewesen wäre) entlang bis zum letzten Supermarkt in Bayern, wo Martin die herrschende Maskenpflicht noch einmal richtig auskosten kann.

Einbrecher oder Einkäufer???

Danach ist es nicht mehr weit bis zur tschechischen Grenze, die dieses Mal nicht zu verfehlen ist: So viele Schilder auf so engem Raum muss man erst einmal hinbekommen!

Schilderwald an der Grenze zu Tschechien

Anschliessend kommt ein fotografisch nicht festhaltbares Highlight unserer Tour: Der Böhmische Wald. Eingangs steht ein Schild „Dieser Wald wird videoüberwacht“, doch wir wagen uns trotzdem hinein. Auf bestem Fahrradweg (zugegeben, wir hatten was tschechische Fahrradwege angeht das eine oder andere Vorurteil…) geht es durch einen traumhaft schönen Wald – und das über mehrere Kilometer, wo wir ausser Wald und Fahrradweg nichts und fast niemandem begegnen. Was für ein Traumstart in Tschechien!

Versuch, die Schönheit des Böhmischen Waldes fotografisch festzuhalten

Nach diesem schönen Abschnitt geht es manchmal über Land, manchmal durch Dörfer aber immer entweder bergauf oder -ab, Richtung Pilsen. Schon bald einmal bekommen wir doch noch das eine oder andere Vorurteil, was tschechische Fahrradwege angeht, bestätigt. Für das grösste Abenteuer sorgt aber das fälschlicherweise etwas an Aktualität überschätzte Komoot: Bei einer Abzweigung wo sich Komoot und der (auf dieser Etappe eher spärlich) markierte Fahrradweg nicht einig sind, entscheiden wir uns für Komoot. Zuerst geht es über schöne Strassen und durch kleine Dörfer bis die Strasse immer schmaler wird und dann zu einem überwucherten Feldweg in einen Wald zweigt. Dort ist der Weg kaum mehr sichtbar und das was ihn mal war von einer Barriere versperrt. Weil die Fahrräder inklusive Gepäck und Fahrerin (beim Fahrer wird’s etwas komplizierter) problemlos unter der Barriere durchpassen, stürzen wir uns rein. Mit viel Holpern, Rutschen und wenig Freude am Fahrradfahren (was man durchaus auch anders ausdrücken kann, etwas das wir in verschiedenen Versionen lautstark trainieren) kämpfen wir uns durch den Wald und kommen tatsächlich auf der anderen Seite wieder raus. Ein erstes Mal sind wir über die Spontanaktion FSME-Impfung in letzter Sekunde vor der Abreise froh, weil Monika tatsächlich ein fieses Zeckenbiest findet und noch vor dem entscheidenden Biss „entfernen“ kann (Tschechien gilt als FSME-Hochrisikogebiet).
So kommen wir am Abend erschöpft in Pilsen an und freuen uns über den grandiosen Empfang in Hotel und ein hammermässiges Abendessen (so Sachen wie „Auberginentartar mit Pestotoast“ vom jungen aber – und da sind wir sicher – sehr talentierten Hotelkoch).
Am nächsten Morgen sehen wir die Welt etwas rosiger: Die Leute nicken uns plötzlich freundlich zu, die Landschaft ist schöner, die Fahrradwege nicht mehr holprig, sondern naturnah und anderes mehr. Martin ist überzeugt, dass das alles am Vortag wirklich schlimmer war und nicht etwa nur ein von der Anstrengung beeinflusster Eindruck!

So erreichen wir nach 84 schönen Kilometern die Berounka (ein Fluss), wo der erste tschechische Camping („Autokemp“) auf uns wartet.
Weil unser Anhänger den holprigen Wegen eine Schraube gespendet hat, müssen wir diese ersetzen, damit der Anhänger seine Standfestigkeit behält und nicht auseinanderfällt. Dr Google erzählt uns Unglaubliches: Ein Einkaufsgeschäft gibt’s im Dörfchen (wir haben ähnliche Anhäufungen von Häusern auch schon Kaff genannt) nicht, aber ein „Veloservis“ schon! Martin ruft an, wird aber weder in Englisch noch in Deutsch verstanden (ein Phänomen mit dem wir in Tschechien oft zu kämpfen haben…). Mit Mühe und Not erfährt er, dass „Shop open“ und „10 minutes ok“ ist. So fährt er hin und findet an einer Wohnhauswand ein Schild, das auf den „Veloservis“ hinweist. Nach zweimaligem Klingeln öffnet sich die Tür und Thomas und sein (der Sprache wegen) dazu gerufener Sohn Adam erscheinen. Martin dreht den Anhänger um und zeigt auf die fehlende Schraube: „Problem here!“. Thomas scheint erleichtert und geht nach drinnen. Kurz darauf kommt er mit einer passenden Schraube zurück und flickt den Anhänger mit grosser Sorgfalt. Geld will er dafür keines. Ein Selfie mit Thomas später fährt Martin glücklich von Dannen.

Beim Abendessen im Campingrestaurant treffen wir auf einen Deutschen Fahrradfahrer. Wir kommen immer wieder auf das Thema Corona zu sprechen, bis wir merken, dass sich unsere Haltungen zu Maskenpflicht und Vorsichtsmassnahmen so stark unterscheiden (er habe da so einen Professor im Internet gesehen, der gesagt habe Covid-19 sei nicht gefährlich und es sei wichtig, dass man neben den Zeitungen und den Politikern auch auf solche Leute höre), dass wir uns in unser Zelt zurückziehen.
Nach einer etwas unruhigen Nacht („Autokemp“ wird ziemlich wörtlich genommen: neben jedem Zelt steht (auf der Wiese) mindestens ein Auto, das auch für die Fahrt zu Toiletten- und Duschhaus verwendet wird), nehmen wir die kurze Etappe mit dem Ziel „Altstadt Prag“ unter die Räder. Kurz nach dem Mittag sind wir da und geniessen die wunderschöne Stadt Prag. Es erzählen uns alle, Prag sei noch nie so schön gewesen, weil man der wenigen Leute wegen viel Platz habe. Tatsächlich erhalten wir im nicht für Kinder geeigneten Museum, beim Abendessen und auf der ganztägigen „Zu-Fusstour“ mit der ungefähr 75-jährigen Helena, die uns spannende Fakten aber auch eigene Erlebnisse aus der Zeit vor und nach „der Wende“ mitgibt, einen wirklich tollen Eindruck dieser Stadt. Ein echtes Highlight!

Kategorien
München - Prag

18. bis 20. Juli -München – Furth oder alles ist im bzw. am Fluss

Am Samstag verlassen wir München, der nächste grössere Halt ist Prag. Auf den ersten gut 20km begleitet uns Salome, die Schwester von Martin.

Abschied nach einigen schönen Tagen in München: TiMonTour mit Salome an ihrem Umkehrpunkt

Wir haben heute eine ziemlich lange Strecke, mit allerdings relativ wenig Steigung vor uns und so kommen wir zügig vorwärts. Schon bald verlassen wir die Isar und folgen der Abens. Das steht zumindest auf den Wegweisern, vom Fluss ist nur selten etwas zu sehen und wenn, dann würden wir eher von einem Bach sprechen. In Neustadt an der Donau nächtigen wir zum ersten Mal auf einem bayrischen Campingplatz. Auch hier gilt in allen Gebäuden die Maskenpflicht. Bis auf den Platzwart scheinen sich alle daran zu halten. Maske auf, beim Sanitärgebäude auf der einen Seite rein, Abwasch mit Maske, auf der anderen Seite wieder raus, Maske in die Hosentasche… Aber ja, über (Un)Sinn im Umgang mit Masken haben wir unsere Meinung ja bereits angedeutet. Und falls jemand eine Erklärung braucht, wie trotz Maske Zähne geputzt werden, Tinu gibt seine Tipps gerne weiter.

Auf diesem Campingplatz treffen wir auch jede Menge Velofahrer*innen, die meisten radeln entlang der Donau. Auf dem Donauradweg sind auch wir am Sonntag unterwegs. Zum Glück noch vor dem Mittag treffen wir beim Kloster Weltenburg ein.

Wir können uns in Ruhe den Donaudurchbruch ansehen und durch den zurzeit nicht als Wanderweg gesperrten Weg zum Schiff und zurück schlendern.

Uns wurde das Bier, das hier gebraut wird, wärmstens empfohlen, wir finden es allerdings noch ein bisschen zu früh und entscheiden uns, die Donau mit der Fähre zu überqueren und dem Radweg auf der anderen Flussseite zu folgen. Ein bisschen Aarefähre -Feeling (einfach in grösser) kommt auf. Nach einem steilen Aufstieg im Wald geht’s auf der andere Seite zum Glück wieder runter. Wir sehen das Kloster nun von der anderen Seite und sind froh, haben wir die vielen Menschen verpasst. Weiter geht’s sehr flach und gemütlich entlang der Donau nach Regensburg.

Kaum auf dem Campingplatz angekommen, entdecken wir zwei Hillebergzelte. Uns ist klar, dass wir unseres (farblich zwar nicht ganz passend) dazu stellen. Noch bevor wir auspacken werden wir auf das Veloplus Logo am Anhänger angesprochen. Und siehe da, es hat noch andere Schweizerinnen, die mit den Rädern unterwegs sind auf diesem Camping. Dazu gehören auch die Hillebergnachbarn, wie wir später feststellen. Wir erhalten ein paar Tipps, was es sich in der Stadt anzusehen lohnt und nutzen die Zeit, die uns dank der kurzen Etappe bleibt, für eine Stadtbesichtigung im Schnelldurchlauf.

Was wir noch ganz zu erwähnen vergessen haben: auf den Kaffee müssen wir seit München zum Glück nicht mehr verzichten und wir achten nun auch auf einen seeehr sorgfältigen Umgang mit unserer neuen Bialetti.

Am Montag begleitet uns, ohne dass wir nass werden, fast den ganzen Tag der Regen. Das heisst, wir folgen einem weiteren Fluss, der Regen. In Altenstadt fliesst der Chamb in die Regen und so fahren wir bis nach Furth (kurz vor der tschechischen Grenze), dem vorläufig letzten Fluss auf deutschen Boden entlang. Irgendwie läuft bzw. fährt es heute nicht so wirklich. Monika wird den ganzen Tag vom Refrain von I don’t like Mondays verfolgt und wir sind froh, als wir Furth endlich erreichen.

Kategorien
München - Prag

Quo vadis? München und wie weiter?

Als im Juni klar wurde, dass wir aufgrund geschlossener Grenzen unsere Reise nicht in Norwegen starten können, wurde rasch der Plan geboren, München als erstes Zwischenziel festzulegen. Nun sitzen wir hier gemütlich im tollen Zimmer von Martins Schwester und sinnieren, wie es mit der TiMonTour weitergehen soll. Norwegen hat seine Grenzen vor zwei Tagen geöffnet, somit besteht für uns die Möglichkeit ab München doch noch nach Norwegen zu fliegen. Eine andere Möglichkeit ist es, der schon einmal grob geplanten Route nach Prag zu folgen und von dort durch Norddeutschland an die Ostsee zu fahren.

Nachdem vor dem Erreichen von München die Idee mit Norwegen „Favorit“ war, waren wir uns wie abgesprochen plötzlich einig, dass wir von München aus Richtung Tschechien weiterfahren. So dauerte der definitive Entscheid nicht lange. Die TiMonTour wird uns von München weiter nach Prag führen.

Mit der Detailplanung ist es etwas komplizierter: Wie steht es in Tschechien mit Corona? Haben die Campingplätze (in Tschechien „Autokamp“ genannt, wie wir herausfinden…) überhaupt offen? Dürfen wir als Schweizer überhaupt nach Tschechien rein? (Tschechien hat ziemlich strenge Quarantäneregeln und Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben, müssen sich innert weniger Tage testen lassen). Nachdem wir für all diese Fragen grünes Licht erhalten, können wir die Route bis Prag festigen. Dabei ist das Hauptproblem nicht etwa in Tschechien, sondern noch in Deutschland: Auf den ersten Kilometern finden wir keine Übernachtungsmöglichkeit. So werden wir am Samstag – nach 2 fast velofreien Tagen – gleich mit einer Strecke von 104km einsteigen und nachdem wir der Isar und dem (der?) Abens gefolgt sind, in Neustadt an der Donau übernachten.

Alle weiteren vorläufig geplanten Etappen findet ihr hier:

Kategorien
Schweiz - München

14. und 15. Juli – Biberwier – München oder auf den Spuren der Jäger

Das Zelt ist rasch abgebaut und im Gegensatz zu den vergangenen Tagen sogar einigermassen trocken. Es soll uns heute eine eher gemütliche Etappe im Schatten der Zugspitze und des Karwendelgebirges erwarten. So geht es erst einmal in zügiger Fahrt nach Garmisch und durch die Stadt hindurch zur imposanten Sprungschanze. Die Strasse Richtung Klais hat zwar einen durchgehenden und sehr gut gepflegten Radweg auf der Seite, trotzdem ist es nicht nur angenehm, in der Hitze die knapp 200 Höhenmeter direkt neben der Autostrasse zu erklimmen. Umso mehr geniessen wir die „Privatstrasse“ von Wallgau nach Vorderriss durch ein wunderschönes Naturschutzgebiet. Diese Strasse ist definitiv eine Fahrt wert. (Schön zudem, dass wir im Gegensatz zu den Mitnutzer*innen der Strasse, die motorisiert unterwegs sind, keine Maut bezahlen müssen.)

Einige Kilometer nach Vorderriss erreichen wir Fall und dort das „Outdoorhotel Jäger von Fall“, wo wir übernachten.

Ein erstes Mal bemerken wir die teilweise etwas verwirrenden Corona-Schutzmassnahmen Bayerns: Im Restaurant muss man immer dann eine Maske tragen, wenn man vom Tisch aufsteht. In Läden und im ÖV trägt man grundsätzlich eine Maske. Das scheint uns alles einigermassen nachvollziehbar und logisch und natürlich tragen wir das auch vollkommen mit. Irritierend ist aber, dass viele Leute die Maske im Restaurant einfach neben ihren Teller legen, oder dass das Servicepersonal sich vor, während und nach dem Servieren immer wieder an die Maske greift. Da beginnen wir zu schätzen, dass in der Schweiz (aus unserer subjektiven Sicht) die Aufklärung über die Verwendung der Maske vor der zurückhaltend eingesetzten Pflicht erfolgte.

Am Mittwoch jagen wir der Isar entlang Richtung München. Mit einem Durchschnitt von fast 23 km/h fühlte es sich wirklich wie Jagen an und wir machen uns schon fast Sorgen zu früh in München zu sein. Nachdem wir dann doch noch das eine oder andere Mal über Schotterstrassen auf- und absteigen dürfen und wir – im „Gasthof Jäger“ – einen Kaffeehalt machen, scheint es zeitlich bestens zu passen, dass wir beim Tierpark München auf Salome – die Schwester von Martin – treffen.

Nun erwarten uns einige tolle, wenn auch verregnete Tage in München mit exklusiven Kirchturmausblicken (Salome’s Freund Chrissi hat echte „Beziehungen nach oben“ oder in der Praxis: einen Schlüssel zum Kirchturm), Bayrischem Essen, der für uns traditionellen verflixten Restaurantjagd (1. voll, 2. übervoll, 3. unsympathisch, 4. (wir geben den Bayrisch-Plan auf und gehen in die Pizzeria) Pizzaofen defekt und Desserts sind ausgegangen, 5. geschlossen aufgrund Corona, 6. zu chic. 7. es klappt! (eine Viertelstunde vor Küchenschluss)), und einigem mehr…

Kategorien
Schweiz - München

13. Juli – Fernpass oder ich bin auch ein Mountainbike

Heute gibt es so einige Möglichkeiten, für unsere Routenwahl. Am Morgen können wir uns noch nicht entscheiden und so fahren wir los dem Inn entlang Richtung Imst, wo wir unsere Mittagsrast einplanen. Am Vormittag diskutieren wir hin und her. Wollen wir über Seefeld – da soll es wunderschön sein, Tinu war bereits einmal da – allerdings gibt es dort keinen Camping. Oder wollen wir über den Fernpass, aber auch da gibt es für den nächsten Tag keinen Campingplatz. Kurz vor Imst beschliessen wir, dass wir ja schon lange keinen Pass mehr überquert haben und entscheiden uns für den Fernpass – eine Entscheidung die wir wohl nicht so rasch vergessen werden… Wenig später stehen wir unterhalb von Imst und schauen einer steilen Strasse entgegen. Diese müssen wir hoch, wollen wir unser Reste-Pasta-Mittagessen noch ein bisschen aufpimpen. Die Mittagssonne gibt ihr Bestes, wir kämpfen uns ins Dorf hinauf und immer weiter, etwas zum Einkaufen finden wir aber nicht. Also geht es weiter bis Tarrenz, wo wir tatsächlich eine Möglichkeit finden, unser Essen zu einem kulinarischen Meisterwerk zu vervollkommnen. Nach dem Essen blüht uns immer noch der Fernpass und es ist wirklich schön warm. Der nächste Wegweiser zeigt 12km an und für 500hm finden wir das eigentlich ganz in Ordnung. Nun geht es aber Kilometer für Kilometer weiter und die Steigung hält sich in Grenzen. Irgendwann wird uns klar, dass komoot wohl doch nicht so unrecht hatte, als es «Enthält einen sehr steilen Anstieg. Eventuell musst du dein Rad schieben.» voraussagte. Und tatsächlich, nachdem Fernsteinsee geht es los! Fahren ist nicht mehr möglich weil es zu steil und der offizielle Radweg eine grob geschotterte Piste ist. Also heisst es schieben! Als es dann rechts noch viele Meter steil abfällt und der Weg immer schmaler wird, beginnen wir uns zu fragen, ob der Fernpass wirklich eine gute Idee war. Trotzdem schieben wir weiter (teilweise immer 20 cm schieben, dann Bremsen anziehen, dann die Füsse hinterher, weil auch die Schuhe auf dem Schotter kaum mehr Halt finden). Bei einer Holzgallerie gibt es eine Fotosession und das eine oder andere Traubenzucker.

So erreichen wir den Fernpass, gönnen uns ein Eis und ein kühles Getränk und freuen uns auf die Abfahrt. Dass die Abfahrt aber erst noch über den „Alten Fernpass“ (knapp 100 Hm höher als der „neue“) geht, erfahren wir erst während der Fahrt bzw. des erneuten Schiebens. Doch auch den alten Fernpass erreichen wir und tatsächlich geht es auf der anderen Seite wieder runter! Aber nicht wie bei anderen überquerten Pässen in rasantem Tempo, sondern immer bremsend zwischen den grössten Schottersteinen hindurch und immer hoffend, die Kontrolle behalten zu können.

Unsere gewählte Route ist eigentlich ein offizieller Radweg, dennoch wünschen wir uns heute mehrmals, mit dem Mountainbike unterwegs zu sein. Schlussendliche erreichen wir müde und durchgeschüttelt, aber glücklich den Camping in Biberwier, wo man uns sehr freundlich empfängt.