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Prag - Dresden

28./29. Juli Dresden – oder alles geht schief

Trotz Gegenwind erreichen wir Dresden am frühen Nachmittag. Da wir zwei Übernachtungen eingeplant haben, sollte uns genügend Zeit bleiben, die geschichtsträchtige Stadt zu besichtigen und unsere weitere Route zu planen. Doch bereits als wir beim Hotel eintreffen, entdecken uns das erste Malheur. Die Deichsel bei unserem Anhänger scheint angebrochen zu sein. Zum Glück früh erkannt, einen Durchbruch bei voller Fahrt wollen wir uns lieber nicht vorstellen. Einmal tief durchatmen und überlegen, wer uns dieses Teil wieder zusammenschweissen könnte. Wir finden das Bikehospital und die lustige Beschreibung auf der Webseite lässt uns dort anrufen („Egal, wo du dein Rad gekauft hast, es sind alle Krankheiten willkommen und wir haben für jedes Zipperlein und auch für schwere Notfälle die passende Medizin“). Der Typ kann uns zwar nicht mit einer Schweissnaht dienen, aber immerhin können wir am nächsten Tag Öl für Tinus leckende Rohloffschaltung holen (Ja, irgendwie will die nicht so recht… Wir hoffen, ein bisschen Flüssignahrung stellt sie vorläufig zufrieden). Wir erweitern unsere Suche und finden ca. 6km elbabwärts einen Schweisser, der, wie er ums erklärt, selbst Freizeitradfahrer ist und für unser Problem eine Lösung finden will. Dazu bestellt er uns am nächsten Morgen um 7.30 in seine Werkstatt.
Somit bleibt doch noch etwas Zeit, die Stadt zu besichtigen. Im Zweiten Weltkrieg wurden grosse Teile von Dresden komplett zerstört und der Wiederaufbau und die Erinnerung an diese Zeit sind immer noch überall erkennbar.
Während unserer Stadtschlenderei wägen wir die Pros und Contras für unsere weitere Routenwahl ab. Grob haben wir drei Möglichkeiten: 1. Weiter Richtung Berlin an die Ostsee, 2. Entlang des Neusse-Oder-Radwegs an die Ostsee oder 3. Quer durchs Land Richtung Lübeck / Kiel. Die beiden ersten Routen würden uns zwar relativ schnell an die Ostsee und damit auf den ursprünglichen Plan, den Iron Curtain Trail (in entgegengesetzter Richtung) bringen, aber wir müssten in Polen und Litauen gut 700km durchs Land fahren, damit wir Kaliningrad umfahren können. Da Polen sowohl was Radwege als auch Corona betrifft nicht ganz unbedenklich ist und es von Kiel eine Fähre nach Litauen gibt, entscheiden wir uns für Variante 3.
Nachdem wir eine Nacht darüber geschlafen, unseren Trailer in aller Frühe geflickt (zum Glück gibt’s im Hostel bereits ab 6.00 Frühstück), uns über die aktuelle Situation informiert und die Routen (inklusive Ersatztag) geplant haben, buchen wir die Fähre Kiel-Klaipéda am 6. August. Nun steht wieder Sightseeing auf dem Programm. Zudem müssen wir einige Dinge ersetzen, die auf unserer Reise an verschiedenen Orten liegen geblieben sind. Bei Kaffee und Kuchen ereilt uns der nächste Schock. Die Berner Zeitung „Der Bund“ schreibt, dass nun auch die baltischen Staaten die Schweiz auf die gelbe Liste gesetzt haben. Länder mit mehr als 16 Infektionen pro 100‘000 Einwohnende während der letzten zwei Wochen (in Finnland sogar 8/100‘000) müssen für 14 Tage in Quarantäne. Der Bund verlinkt veraltete Informationen in seinem Artikel (nämlich die, die wir bei unseren vermeintlich gründlichen Recherchen auch gefunden haben). Nach weiterem Suchen, zig Anrufen beim litauischen Konsulat und nicht viel hilfreicheren Antworten (ist nun die Staatsbürgerschaft oder das einreisende Land für die Quarantäneregelung massgebend und würde es evtl. etwas bringen, wenn wir noch zwei Tage länger in Deutschland bleiben würden, damit wir volle zwei Wochen ausweisen könnten und unser Tschechienaufenthalt uns nicht mehr zum Verhängnis wird…?!) entscheiden wir uns, die Fähre zu stornieren. Dies ist wider Erwarten per Telefon kostenlos möglich. (Vielleicht sind wir bei DFDS bereits von unserer Schottlandtour ROT im System vermerkt… Aber das ist eine andere Geschichte…)
Nach diesem ganzen Frust beschliessen wir, fein Essen zu gehen. Wir haben gestern bereits ein italienisches Restaurant entdeckt, das frische Pasta serviert. Heute sind wir schlauer und reservieren einen Tisch. Als Grund wählt Tinu „romantisches Essen“. Wir sind gespannt, ob von dieser Wahl etwas zu erkennen ist. Ist es nicht. Das Essen ist allerdings mehr als ausgezeichnet und sogar der Wein wird unseren Wünschen gerecht. Die leichtere Person unseres Duos ist sogar der Meinung, dass der Trailerfahrer eventuell ebendiesen holen muss, um sie nach Hause zu transportieren. Man könnte ja dann auch gleich testen, ob der Schweisser gute Arbeit geleistet hat… Der (sehr kurze) Heimweg wird dann doch zu Fuss bewältigt. Da wir zum ersten Mal im Lokal sind, gibt es noch 2 Portionen frische Spaghetti zum Mitnehmen. Für unser Nachtessen morgen ist also schon vorgesorgt. Das MammaMia in Dresden können wir allen Pasta-Liebhaber*innen wärmstens empfehlen.
Unsere geplante Route von Dresden nach Kiel bleibt vorerst bestehen und wir machen uns morgen in relativ grossen Etappen auf an die Nordsee. Was uns danach erwartet, ist wieder einmal ungewiss, aber das ist ja schliesslich das Motto unserer Reise…

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Prag - Dresden

25. bis 27. Juli – Prag – Dresden oder zurück in die Schweiz

Nach erlebnisreichen Stunden in Prag machen wir uns am Sonntagmorgen auf den Weg Richtung Dresden. Wir planen drei Etappen wobei wir mit einem zusätzlichen Wandertag im Grenzgebiet zwischen Tschechien und Deutschland liebäugeln. Die Fahrt, zuerst der Moldau und anschliessend der Elbe entlang, hat kaum Steigungen, weshalb wir eine kilometermässig lange Etappe planen. Aus unseren Erfahrungen mit Grossstädten (München einmal ausgenommen), kann das Verlassen einer Stadt anstrengend und mühsam sein. Nicht so in Prag: In wenigen Minuten sind wir vom Hotel an der Moldau und dort geht es auf vorbildhaften Fahrradwegen aus der Stadt heraus. Wow, das hätten wir nicht erwartet! Sogar auf holprigen Pflastersteinen wurde an die Fahrradfahrerinnen gedacht:

Auch die weiteren Kilometer der Moldau entlang sind sehr schön zu fahren und wir kommen gut vorwärts. So kommt es, dass die Kilometerzähler beim Mittagessen beinahe 50 anzeigen. Wir haben uns in den vergangenen Tagen wohl doch schon eine gewisse Grundfitness antrainiert! In Mělnik fliesst die Moldau in die Elbe (die in Tschechien aber noch nicht Elbe, sondern Labe heisst).

Mělnik

Es geht weiter sehr gut vorwärts. Unser Tagesziel ist das «Auto Kemp» in Litoměřice. Unterwegs treffen wir aber immer wieder auf Hinweise zu «Cyklo Kemps». Das «Cyklo» Fahrrad bedeutet haben wir mittlerweile gelernt und warum Cyklo Kemp uns sympathischer als Auto Kemp ist, ist wohl nicht nur für fleissige Blogleserinnen nachvollziehbar. So entscheiden wir nach 108 gefahrenen Kilometern, noch deren 20 anzuhängen – in Vorfreude auf ein velofreundliches Schlafen!
Als wir im Cyklo Kemp Shipyard ankommen, werden wir tatsächlich freundlich empfangen: einerseits von der freundlichen Receptionistin (aka Barmaid), andererseits von sehr vielen (geschätzt 50) jungen, mehrheitlich Männern, die alle dasselbe T-Shirt tragen und dieselbe Flüssigkeit in ihren Gläsern haben. Schön, dass sie unsere Ankunft so lautstark feiern!
Die Rezeptionsbarfrau verweist uns mit einem charmanten Lächeln auf einen Stellplatz hinter dem Haus – «Because of the Party!». Die Duschen (an Thurnhallenduschen erinnernde, mit grauen (waren mal andersfarbig) Vorhängen zwischen Männern und Frauen abgetrennte, nach der Flüssigkeit die hochkommt, wenn man mit dem Entstopfungsstöpsel den Badewannenabfluss bearbeitet, riechende Räume) funktionieren. Beim WC-Gang kreuzen sich die Wege der (wohl doch nicht uns, sondern irgend einen Meistertitel) feiernden Horde junger Männer wieder mit unseren. Näher über den Zusammenhang der Treffsicherheit am Kreuzungspunkt und dem den Feiernden ausgeschenkten Getränk zu schreiben, wäre einem Reisebericht nicht würdig. Deshalb lassen wir das an dieser Stelle sein.
Nach einer unruhigen Nacht (die Party dauerte an und «hinter dem Haus» reichte leider nicht aus, dass wir nicht mehr von «Jonny Deppdeppdepp» und «Bella Ciao» (auf tschechisch) unterhalten wurden), fahren wir los und freuen uns von dort wegzukommen.
Für die heutige Übernachtung sind wir um einiges zuversichtlicher: Der Aktivhof Porschdorf ist zwar nicht direkt an der Elbe, aber er wurde uns direkt empfohlen. Und die Empfehlung ging voll und ganz auf!

Schöne Aussichten von der Haus-(Zelt-)Türe

Wir geniessen die gute Stimmung unter den Gästen des Aktivhofes und entschieden, die «Sächsische Schweiz» und ihre speziellen Felsformationen noch einen weiteren Tag zu geniessen. So können wir ohne Rückreise in die Heimat, die Schweiz erleben. Wir lassen uns eine Wanderung empfehlen und begeben uns am Morgen statt auf die Räder auf Schusters Leisten. Die Wanderung zieht sich über knapp 4 Stunden hin und endet in Bad Schandau, von wo wir mit dem Bus wieder nach Porschdorf fahren. Wir reissen Witze darüber, dass «wandern» bei uns eher «spazieren» bedeutet und kochen uns ein feines Znacht.

Die Quittung kommt am nächsten Tag (wobei man sich unter den Teilnehmenden der TiMonTour über die Ausprägung dieser «Quittung» nicht immer ganz einig ist): Die Waden schmerzen vor Muskelkater und noch am Tag als dieser Bericht verfasst wird (die massiv-alpine-langstrecken-Bergwanderung ist nun 3 Tage her), schmerzen dem Schreiberling die Waden. Das war’s dann mit der Freude über die tolle Konditionszunahme… (Vielleicht kann uns dieses Phänomen irgend eine Physiotherapeutin oder jemand mit ähnlichen Kenntnissen erklären??? Kommentare sind herzlich willkommen!).
Nach diesen zwei herrlichen Tagen in Porschdorf fahren wir die 50 Kilometer nach Dresden. Schon während den letzten 20 Kilometern erhalten wir einen Vorgeschmack darauf, was uns hier erwartet: Wir kämpfen gegen heftigen Gegenwind!

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München - Prag

21. bis 24. Juli – Furth – Prag oder Tschechien und die Farradwege

Der letzte Tag in Bayern bricht an! Nach der trockenen Regen(-Fluss-)Fahrt, erleben wir tatsächlich noch eine Regennacht. Mehrmals regnet es in dieser Nacht heftig und das Zelt ist am Morgen tropfnass. Unser Nachbar ist bereits fleissig und schmeisst fortlaufend Nacktschnecken aus seinem Zelt. Wir scheinen aber mit unserem Platz mehr Glück gehabt zu haben, finden wir doch genau eine Schnecke an den (aus genau diesem Grund) vorsichtshalber mit der Sohle nach oben gedrehten Sandalen. Der Rest unseres Materials ist schneckenfrei. So können wir uns bald auf das Frühstück stürzen. Obwohl wir dafür auch schon motivierter waren: Der am Vorabend im Penny-Markt gekaufte, in Plastikfolie eingepackte und bis in alle Ewigkeit haltbare Rosinenzopf ist nicht das, was wir zum Frühstück zaubern würden, wenn zaubern denn möglich wäre. Aber mit kaum bezahlbarem Lindt-Schoggiaufstrich (in Italien hergestellt, in Deutschland gekauft…) veredelt, lässt sich auch das essen.
Als das Zelt tatsächlich etwas trocken ist, starten wir. Zuerst geht es dem Iron Curtain Trail (eigentlich fast witzig, weil genau dieser unser ursprünglicher Plan gewesen wäre) entlang bis zum letzten Supermarkt in Bayern, wo Martin die herrschende Maskenpflicht noch einmal richtig auskosten kann.

Einbrecher oder Einkäufer???

Danach ist es nicht mehr weit bis zur tschechischen Grenze, die dieses Mal nicht zu verfehlen ist: So viele Schilder auf so engem Raum muss man erst einmal hinbekommen!

Schilderwald an der Grenze zu Tschechien

Anschliessend kommt ein fotografisch nicht festhaltbares Highlight unserer Tour: Der Böhmische Wald. Eingangs steht ein Schild „Dieser Wald wird videoüberwacht“, doch wir wagen uns trotzdem hinein. Auf bestem Fahrradweg (zugegeben, wir hatten was tschechische Fahrradwege angeht das eine oder andere Vorurteil…) geht es durch einen traumhaft schönen Wald – und das über mehrere Kilometer, wo wir ausser Wald und Fahrradweg nichts und fast niemandem begegnen. Was für ein Traumstart in Tschechien!

Versuch, die Schönheit des Böhmischen Waldes fotografisch festzuhalten

Nach diesem schönen Abschnitt geht es manchmal über Land, manchmal durch Dörfer aber immer entweder bergauf oder -ab, Richtung Pilsen. Schon bald einmal bekommen wir doch noch das eine oder andere Vorurteil, was tschechische Fahrradwege angeht, bestätigt. Für das grösste Abenteuer sorgt aber das fälschlicherweise etwas an Aktualität überschätzte Komoot: Bei einer Abzweigung wo sich Komoot und der (auf dieser Etappe eher spärlich) markierte Fahrradweg nicht einig sind, entscheiden wir uns für Komoot. Zuerst geht es über schöne Strassen und durch kleine Dörfer bis die Strasse immer schmaler wird und dann zu einem überwucherten Feldweg in einen Wald zweigt. Dort ist der Weg kaum mehr sichtbar und das was ihn mal war von einer Barriere versperrt. Weil die Fahrräder inklusive Gepäck und Fahrerin (beim Fahrer wird’s etwas komplizierter) problemlos unter der Barriere durchpassen, stürzen wir uns rein. Mit viel Holpern, Rutschen und wenig Freude am Fahrradfahren (was man durchaus auch anders ausdrücken kann, etwas das wir in verschiedenen Versionen lautstark trainieren) kämpfen wir uns durch den Wald und kommen tatsächlich auf der anderen Seite wieder raus. Ein erstes Mal sind wir über die Spontanaktion FSME-Impfung in letzter Sekunde vor der Abreise froh, weil Monika tatsächlich ein fieses Zeckenbiest findet und noch vor dem entscheidenden Biss „entfernen“ kann (Tschechien gilt als FSME-Hochrisikogebiet).
So kommen wir am Abend erschöpft in Pilsen an und freuen uns über den grandiosen Empfang in Hotel und ein hammermässiges Abendessen (so Sachen wie „Auberginentartar mit Pestotoast“ vom jungen aber – und da sind wir sicher – sehr talentierten Hotelkoch).
Am nächsten Morgen sehen wir die Welt etwas rosiger: Die Leute nicken uns plötzlich freundlich zu, die Landschaft ist schöner, die Fahrradwege nicht mehr holprig, sondern naturnah und anderes mehr. Martin ist überzeugt, dass das alles am Vortag wirklich schlimmer war und nicht etwa nur ein von der Anstrengung beeinflusster Eindruck!

So erreichen wir nach 84 schönen Kilometern die Berounka (ein Fluss), wo der erste tschechische Camping („Autokemp“) auf uns wartet.
Weil unser Anhänger den holprigen Wegen eine Schraube gespendet hat, müssen wir diese ersetzen, damit der Anhänger seine Standfestigkeit behält und nicht auseinanderfällt. Dr Google erzählt uns Unglaubliches: Ein Einkaufsgeschäft gibt’s im Dörfchen (wir haben ähnliche Anhäufungen von Häusern auch schon Kaff genannt) nicht, aber ein „Veloservis“ schon! Martin ruft an, wird aber weder in Englisch noch in Deutsch verstanden (ein Phänomen mit dem wir in Tschechien oft zu kämpfen haben…). Mit Mühe und Not erfährt er, dass „Shop open“ und „10 minutes ok“ ist. So fährt er hin und findet an einer Wohnhauswand ein Schild, das auf den „Veloservis“ hinweist. Nach zweimaligem Klingeln öffnet sich die Tür und Thomas und sein (der Sprache wegen) dazu gerufener Sohn Adam erscheinen. Martin dreht den Anhänger um und zeigt auf die fehlende Schraube: „Problem here!“. Thomas scheint erleichtert und geht nach drinnen. Kurz darauf kommt er mit einer passenden Schraube zurück und flickt den Anhänger mit grosser Sorgfalt. Geld will er dafür keines. Ein Selfie mit Thomas später fährt Martin glücklich von Dannen.

Beim Abendessen im Campingrestaurant treffen wir auf einen Deutschen Fahrradfahrer. Wir kommen immer wieder auf das Thema Corona zu sprechen, bis wir merken, dass sich unsere Haltungen zu Maskenpflicht und Vorsichtsmassnahmen so stark unterscheiden (er habe da so einen Professor im Internet gesehen, der gesagt habe Covid-19 sei nicht gefährlich und es sei wichtig, dass man neben den Zeitungen und den Politikern auch auf solche Leute höre), dass wir uns in unser Zelt zurückziehen.
Nach einer etwas unruhigen Nacht („Autokemp“ wird ziemlich wörtlich genommen: neben jedem Zelt steht (auf der Wiese) mindestens ein Auto, das auch für die Fahrt zu Toiletten- und Duschhaus verwendet wird), nehmen wir die kurze Etappe mit dem Ziel „Altstadt Prag“ unter die Räder. Kurz nach dem Mittag sind wir da und geniessen die wunderschöne Stadt Prag. Es erzählen uns alle, Prag sei noch nie so schön gewesen, weil man der wenigen Leute wegen viel Platz habe. Tatsächlich erhalten wir im nicht für Kinder geeigneten Museum, beim Abendessen und auf der ganztägigen „Zu-Fusstour“ mit der ungefähr 75-jährigen Helena, die uns spannende Fakten aber auch eigene Erlebnisse aus der Zeit vor und nach „der Wende“ mitgibt, einen wirklich tollen Eindruck dieser Stadt. Ein echtes Highlight!

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München - Prag

18. bis 20. Juli -München – Furth oder alles ist im bzw. am Fluss

Am Samstag verlassen wir München, der nächste grössere Halt ist Prag. Auf den ersten gut 20km begleitet uns Salome, die Schwester von Martin.

Abschied nach einigen schönen Tagen in München: TiMonTour mit Salome an ihrem Umkehrpunkt

Wir haben heute eine ziemlich lange Strecke, mit allerdings relativ wenig Steigung vor uns und so kommen wir zügig vorwärts. Schon bald verlassen wir die Isar und folgen der Abens. Das steht zumindest auf den Wegweisern, vom Fluss ist nur selten etwas zu sehen und wenn, dann würden wir eher von einem Bach sprechen. In Neustadt an der Donau nächtigen wir zum ersten Mal auf einem bayrischen Campingplatz. Auch hier gilt in allen Gebäuden die Maskenpflicht. Bis auf den Platzwart scheinen sich alle daran zu halten. Maske auf, beim Sanitärgebäude auf der einen Seite rein, Abwasch mit Maske, auf der anderen Seite wieder raus, Maske in die Hosentasche… Aber ja, über (Un)Sinn im Umgang mit Masken haben wir unsere Meinung ja bereits angedeutet. Und falls jemand eine Erklärung braucht, wie trotz Maske Zähne geputzt werden, Tinu gibt seine Tipps gerne weiter.

Auf diesem Campingplatz treffen wir auch jede Menge Velofahrer*innen, die meisten radeln entlang der Donau. Auf dem Donauradweg sind auch wir am Sonntag unterwegs. Zum Glück noch vor dem Mittag treffen wir beim Kloster Weltenburg ein.

Wir können uns in Ruhe den Donaudurchbruch ansehen und durch den zurzeit nicht als Wanderweg gesperrten Weg zum Schiff und zurück schlendern.

Uns wurde das Bier, das hier gebraut wird, wärmstens empfohlen, wir finden es allerdings noch ein bisschen zu früh und entscheiden uns, die Donau mit der Fähre zu überqueren und dem Radweg auf der anderen Flussseite zu folgen. Ein bisschen Aarefähre -Feeling (einfach in grösser) kommt auf. Nach einem steilen Aufstieg im Wald geht’s auf der andere Seite zum Glück wieder runter. Wir sehen das Kloster nun von der anderen Seite und sind froh, haben wir die vielen Menschen verpasst. Weiter geht’s sehr flach und gemütlich entlang der Donau nach Regensburg.

Kaum auf dem Campingplatz angekommen, entdecken wir zwei Hillebergzelte. Uns ist klar, dass wir unseres (farblich zwar nicht ganz passend) dazu stellen. Noch bevor wir auspacken werden wir auf das Veloplus Logo am Anhänger angesprochen. Und siehe da, es hat noch andere Schweizerinnen, die mit den Rädern unterwegs sind auf diesem Camping. Dazu gehören auch die Hillebergnachbarn, wie wir später feststellen. Wir erhalten ein paar Tipps, was es sich in der Stadt anzusehen lohnt und nutzen die Zeit, die uns dank der kurzen Etappe bleibt, für eine Stadtbesichtigung im Schnelldurchlauf.

Was wir noch ganz zu erwähnen vergessen haben: auf den Kaffee müssen wir seit München zum Glück nicht mehr verzichten und wir achten nun auch auf einen seeehr sorgfältigen Umgang mit unserer neuen Bialetti.

Am Montag begleitet uns, ohne dass wir nass werden, fast den ganzen Tag der Regen. Das heisst, wir folgen einem weiteren Fluss, der Regen. In Altenstadt fliesst der Chamb in die Regen und so fahren wir bis nach Furth (kurz vor der tschechischen Grenze), dem vorläufig letzten Fluss auf deutschen Boden entlang. Irgendwie läuft bzw. fährt es heute nicht so wirklich. Monika wird den ganzen Tag vom Refrain von I don’t like Mondays verfolgt und wir sind froh, als wir Furth endlich erreichen.

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München - Prag

Quo vadis? München und wie weiter?

Als im Juni klar wurde, dass wir aufgrund geschlossener Grenzen unsere Reise nicht in Norwegen starten können, wurde rasch der Plan geboren, München als erstes Zwischenziel festzulegen. Nun sitzen wir hier gemütlich im tollen Zimmer von Martins Schwester und sinnieren, wie es mit der TiMonTour weitergehen soll. Norwegen hat seine Grenzen vor zwei Tagen geöffnet, somit besteht für uns die Möglichkeit ab München doch noch nach Norwegen zu fliegen. Eine andere Möglichkeit ist es, der schon einmal grob geplanten Route nach Prag zu folgen und von dort durch Norddeutschland an die Ostsee zu fahren.

Nachdem vor dem Erreichen von München die Idee mit Norwegen „Favorit“ war, waren wir uns wie abgesprochen plötzlich einig, dass wir von München aus Richtung Tschechien weiterfahren. So dauerte der definitive Entscheid nicht lange. Die TiMonTour wird uns von München weiter nach Prag führen.

Mit der Detailplanung ist es etwas komplizierter: Wie steht es in Tschechien mit Corona? Haben die Campingplätze (in Tschechien „Autokamp“ genannt, wie wir herausfinden…) überhaupt offen? Dürfen wir als Schweizer überhaupt nach Tschechien rein? (Tschechien hat ziemlich strenge Quarantäneregeln und Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben, müssen sich innert weniger Tage testen lassen). Nachdem wir für all diese Fragen grünes Licht erhalten, können wir die Route bis Prag festigen. Dabei ist das Hauptproblem nicht etwa in Tschechien, sondern noch in Deutschland: Auf den ersten Kilometern finden wir keine Übernachtungsmöglichkeit. So werden wir am Samstag – nach 2 fast velofreien Tagen – gleich mit einer Strecke von 104km einsteigen und nachdem wir der Isar und dem (der?) Abens gefolgt sind, in Neustadt an der Donau übernachten.

Alle weiteren vorläufig geplanten Etappen findet ihr hier:

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Schweiz - München

14. und 15. Juli – Biberwier – München oder auf den Spuren der Jäger

Das Zelt ist rasch abgebaut und im Gegensatz zu den vergangenen Tagen sogar einigermassen trocken. Es soll uns heute eine eher gemütliche Etappe im Schatten der Zugspitze und des Karwendelgebirges erwarten. So geht es erst einmal in zügiger Fahrt nach Garmisch und durch die Stadt hindurch zur imposanten Sprungschanze. Die Strasse Richtung Klais hat zwar einen durchgehenden und sehr gut gepflegten Radweg auf der Seite, trotzdem ist es nicht nur angenehm, in der Hitze die knapp 200 Höhenmeter direkt neben der Autostrasse zu erklimmen. Umso mehr geniessen wir die „Privatstrasse“ von Wallgau nach Vorderriss durch ein wunderschönes Naturschutzgebiet. Diese Strasse ist definitiv eine Fahrt wert. (Schön zudem, dass wir im Gegensatz zu den Mitnutzer*innen der Strasse, die motorisiert unterwegs sind, keine Maut bezahlen müssen.)

Einige Kilometer nach Vorderriss erreichen wir Fall und dort das „Outdoorhotel Jäger von Fall“, wo wir übernachten.

Ein erstes Mal bemerken wir die teilweise etwas verwirrenden Corona-Schutzmassnahmen Bayerns: Im Restaurant muss man immer dann eine Maske tragen, wenn man vom Tisch aufsteht. In Läden und im ÖV trägt man grundsätzlich eine Maske. Das scheint uns alles einigermassen nachvollziehbar und logisch und natürlich tragen wir das auch vollkommen mit. Irritierend ist aber, dass viele Leute die Maske im Restaurant einfach neben ihren Teller legen, oder dass das Servicepersonal sich vor, während und nach dem Servieren immer wieder an die Maske greift. Da beginnen wir zu schätzen, dass in der Schweiz (aus unserer subjektiven Sicht) die Aufklärung über die Verwendung der Maske vor der zurückhaltend eingesetzten Pflicht erfolgte.

Am Mittwoch jagen wir der Isar entlang Richtung München. Mit einem Durchschnitt von fast 23 km/h fühlte es sich wirklich wie Jagen an und wir machen uns schon fast Sorgen zu früh in München zu sein. Nachdem wir dann doch noch das eine oder andere Mal über Schotterstrassen auf- und absteigen dürfen und wir – im „Gasthof Jäger“ – einen Kaffeehalt machen, scheint es zeitlich bestens zu passen, dass wir beim Tierpark München auf Salome – die Schwester von Martin – treffen.

Nun erwarten uns einige tolle, wenn auch verregnete Tage in München mit exklusiven Kirchturmausblicken (Salome’s Freund Chrissi hat echte „Beziehungen nach oben“ oder in der Praxis: einen Schlüssel zum Kirchturm), Bayrischem Essen, der für uns traditionellen verflixten Restaurantjagd (1. voll, 2. übervoll, 3. unsympathisch, 4. (wir geben den Bayrisch-Plan auf und gehen in die Pizzeria) Pizzaofen defekt und Desserts sind ausgegangen, 5. geschlossen aufgrund Corona, 6. zu chic. 7. es klappt! (eine Viertelstunde vor Küchenschluss)), und einigem mehr…

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Schweiz - München

13. Juli – Fernpass oder ich bin auch ein Mountainbike

Heute gibt es so einige Möglichkeiten, für unsere Routenwahl. Am Morgen können wir uns noch nicht entscheiden und so fahren wir los dem Inn entlang Richtung Imst, wo wir unsere Mittagsrast einplanen. Am Vormittag diskutieren wir hin und her. Wollen wir über Seefeld – da soll es wunderschön sein, Tinu war bereits einmal da – allerdings gibt es dort keinen Camping. Oder wollen wir über den Fernpass, aber auch da gibt es für den nächsten Tag keinen Campingplatz. Kurz vor Imst beschliessen wir, dass wir ja schon lange keinen Pass mehr überquert haben und entscheiden uns für den Fernpass – eine Entscheidung die wir wohl nicht so rasch vergessen werden… Wenig später stehen wir unterhalb von Imst und schauen einer steilen Strasse entgegen. Diese müssen wir hoch, wollen wir unser Reste-Pasta-Mittagessen noch ein bisschen aufpimpen. Die Mittagssonne gibt ihr Bestes, wir kämpfen uns ins Dorf hinauf und immer weiter, etwas zum Einkaufen finden wir aber nicht. Also geht es weiter bis Tarrenz, wo wir tatsächlich eine Möglichkeit finden, unser Essen zu einem kulinarischen Meisterwerk zu vervollkommnen. Nach dem Essen blüht uns immer noch der Fernpass und es ist wirklich schön warm. Der nächste Wegweiser zeigt 12km an und für 500hm finden wir das eigentlich ganz in Ordnung. Nun geht es aber Kilometer für Kilometer weiter und die Steigung hält sich in Grenzen. Irgendwann wird uns klar, dass komoot wohl doch nicht so unrecht hatte, als es «Enthält einen sehr steilen Anstieg. Eventuell musst du dein Rad schieben.» voraussagte. Und tatsächlich, nachdem Fernsteinsee geht es los! Fahren ist nicht mehr möglich weil es zu steil und der offizielle Radweg eine grob geschotterte Piste ist. Also heisst es schieben! Als es dann rechts noch viele Meter steil abfällt und der Weg immer schmaler wird, beginnen wir uns zu fragen, ob der Fernpass wirklich eine gute Idee war. Trotzdem schieben wir weiter (teilweise immer 20 cm schieben, dann Bremsen anziehen, dann die Füsse hinterher, weil auch die Schuhe auf dem Schotter kaum mehr Halt finden). Bei einer Holzgallerie gibt es eine Fotosession und das eine oder andere Traubenzucker.

So erreichen wir den Fernpass, gönnen uns ein Eis und ein kühles Getränk und freuen uns auf die Abfahrt. Dass die Abfahrt aber erst noch über den „Alten Fernpass“ (knapp 100 Hm höher als der „neue“) geht, erfahren wir erst während der Fahrt bzw. des erneuten Schiebens. Doch auch den alten Fernpass erreichen wir und tatsächlich geht es auf der anderen Seite wieder runter! Aber nicht wie bei anderen überquerten Pässen in rasantem Tempo, sondern immer bremsend zwischen den grössten Schottersteinen hindurch und immer hoffend, die Kontrolle behalten zu können.

Unsere gewählte Route ist eigentlich ein offizieller Radweg, dennoch wünschen wir uns heute mehrmals, mit dem Mountainbike unterwegs zu sein. Schlussendliche erreichen wir müde und durchgeschüttelt, aber glücklich den Camping in Biberwier, wo man uns sehr freundlich empfängt.

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Schweiz - München

12. Juli – Die erste Grenze oder warum es in Österreich keinen Kaffee mehr gibt

Ein wenig erstaunt stellen wir fest, dass wir nun schon seit einer Woche unterwegs sind. Mit vielen Aufs und später noch mehr Abs geht es dem Inn entlang durchs wunderschöne Engadin. Die Temperaturen sind wieder etwas wärmer. Die Steigungen zwar sehr wohl vorhanden, aber recht angenehm, so dass sie uns keine Schimpftiraden mehr entlocken.

Nach dem Mittagessen in Ftan verlassen wir die höheren Regionen endgültig und sausen Richtung Grenze zu Österreich (ok, es geht nicht immer bergab, aber im Nachhinein soll ja alles immer weniger schlimm sein…). Nach der Ausreise aus der Schweiz erwartet uns ein knapp 10km langer Grenzübergang. Es geht zwar stetig bergab, doch man könnte meinen, dieser gemeine Gegenwind will uns zurück in die Schweiz blasen. Irgendwann finden wir wieder einen Velo- (ah nein!) Radweg und sind immer noch gespannt, auf den Grenzübergang. Diesen werden wir allerdings nie passieren, denn plötzlich stehen wir am Claudiasee und haben wohl die grüne Grenze erwischt. Hier wollten wir eigentlich unser Zelt aufschlagen, aber mit Blick auf die Uhr – noch nicht mal 16.00 – und den Kilometerzähler – 63km – sind wir uns schnell einig, dass wir noch ein bisschen weiterfahren. So landen wie in Ried am Oberinn. Der Camping ist zwar riesig, aber da wir nur eine Nacht bleiben, werden wir im Gärtchen eines nicht anwesenden Dauermieters direkt beim Parkplatz einquartiert. Im Abwaschraum ist es so laut, dass wir so schnell als möglich wieder flüchten. Draussen will Monika die heissgeliebte Bialetti durch Schwingung doch noch ein bisschen trocknen. Dumm nur, dass diese in hohem Bogen durch die Luft segelt und Monika nur noch den Henkel in der Hand hält. Deshalb vorerst fertig Kaffee – oder wohl eher: die Jagd auf eine neue Bialetti ist eröffnet!

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Schweiz - München

9. – 11. Juli – Der Albulapass oder wo alles begann

Das Velo von Tinu ist geflickt und fährt wieder. Die Etappe am Donnerstag geht von Ziegelbrücke nach Thusis. Dort bereiten wir uns auf den nächsten Pass vor, der bereits vor unserem Zelt steht. Immerhin treffen wir auf dem vorwiegend von motorisierten Gefährten besuchten Zeltplatz auf zwei weitere Velofahrer. Wobei, auch von diesen einer nicht nur mit Muskelkraft unterwegs ist…

Am Freitag geht es dann endlich auf den Albula los. Bis Filisur ist die Steigung noch halbwegs gemütlich. Im Hinterkopf schwebt noch die Idee herum, dass ja vielleicht doch der ganze Pass an einem Tag zu schaffen sei. Spätestens nach Filisur verbschieden wir uns von diesem Hirngespinnst. Alles schön der Passstrasse entlang zeigt das Thermometer an Monikas Kilometerzähler über 40 Grad an. Mehr kriechend denn fahrend erreichen wir einiges nach der Mittagszeit endlich Bergün. Ein Selfie am Dorfeingang darf trotz leidendem Gesichtsausdruck nicht fehlen – schliesslich haben sich hier unsere Wege vor einer halben Ewigkeit gekreuzt.

Deshalb wäre Bergün auf der ursprünglichen Routenplanung auch als Übernachtungsstopp geplant gewesen. Doch die verflixte Rohloff brachte auch unsere Planung durcheinander… Während wir beim Mittagessen das Wetterradar studieren und überlegen, ob wir es vor dem Gewitter noch bis Preda schaffen können – immerhin hätten wir damit bereits 400hm gewinnen – treffen wir Raffael, der in diesem SOMMER auf dem Camping in Bergün arbeitet. Obwohl er uns ‚seinen‘ Camping noch schmackhaft macht, juckt es uns und wir machen uns auf den Weg nach Preda.

Es ist immer noch saumässig heiss und kurz vor dem Ziel schieben wir unsere Velos durch eine nicht enden wollende Schotterbaustelle. Fazit: nächstes Mal wieder Preda-Bergün im Winter mit Schlitten statt Bergün-Preda im Sommer mit Velos!
Da es in Preda keinen Camping gibt, buchen wir bei Anne im Sonnenhof ein Zimmer und schauen dem Gewitter zu. Anne weiss viele interessante Geschichten zu erzählen und es wird ein kurzweiliger Aufenthalt.
Am Samstag machen wir uns bei nebligem Nieselwetter auf die letzten 600hm zum Albula. Erstaunlich schnell erreichen wir bei viel angenehmeren Temperaturen die Passhöhe. Oben angekommen zeigt das Thermometer noch 8 Grad. Mit dem Albulapass auf 2315 M.ü.M haben wir den höchsten Punkt unserer Reise überschritten.

Das Restaurant ist leider voll – ja diese super sportlichen Autofahrer müssen sich halt auch stärken und ihre Pferdchen ausruhen lassen – und so machen wir uns an die wohlverdiente Abfahrt.
Wir fahren weiter bis Zernez, wo unser Zelt, kurz nachdem es aufgebaut ist, zum ersten Mal doch noch nass wird.

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Schweiz - München

7. und 8. Juli – Der Pragel-Hagel und die fiese Feder

  • Das Zelt in Vitznau ist abgebaut und wir fahren los Richtung Brunnen. Die Fahrt dem Vierwaldstättersee entlang ist wunderschön. Kurz nach Brunnen beginnt die Steigung Richtung Muotathal. Auch das geht gemütlich und gut vorwärts. Beim Dorfausgang finden wir die Tafel: Steigt 885m auf 11 Kilometer. EIGENTLICH hätten wir das ja gewusst, etwas niederschmetternd ist es trotzdem.
  • Und gleich nach dem Schild geht es los: So steil, dass fahren kaum möglich (aber trotzdem versucht) wird. Das ist sicher nur der Anfang, denken wir. Doch nichts da! Es geht immer weiter und steiler hoch. Die Stimmung sinkt und es wird immer klarer, dass die Mittagspause dringend nötig ist. Gleichzeitig wie wir erreichen Isabelle und André auf ebenfalls stromlosen (eine wahre Seltenheit…) Velos unser kleines Schutzhäuschen. Zu merken, dass wir nicht die einzigen sind, die am Berg leiden (O-Ton „Es gibt ja doch noch andere solche Wildsäue wie wir“), ist ermutigend! Merci für den Motivationsschub an dieser Stelle!
    Nach dem Essen und vielen James Bondschen und anderen Anekdoten geht es motiviert wieder los. Doch Martins Velo will nicht wie er: Schon vorher haben die Gänge 1-7 der Rohloffschaltung teilweise nicht eingerastet. Statt einzurasten hat er nun sieben Leerlaufgänge, was nichts bringt. (Für nicht Rohloffianer*innen: Die Nabenschaltung hat 14 Gänge. Dabei ist Gang 14 der härteste und Gang 1 der leichteste. Die Gänge 1-7 sind also vor allem für die Steigungen ganz schön wichtig…). Nach dem Mittag geht gar nichts mehr. Das bedeutet: Schieben statt fahren (wobei dies teilweise durchaus auch als ideale Ausrede gelten könnte, so oder so zu schieben… Der Berg bleibt steil!).
  • Nach zwei Telefonaten mit Veloplus in Ostermundigen und einem mit Rohloff in Deutschland ist klar: Irgendetwas mit einer der Freilauffedern in der Nabe stimmt nicht. (O-Ton Rohloffmitarbeiter: „Die Gänge 1-7 gehen nicht? Handbuch Seite 93, Bild 1“). Ein Problem, das sich nicht so einfach vor Ort lösen lässt. Also weiterschieben! Als wir den „Hagel“ Pragelpass endlich erreichen, sind wir nudelfertig und froh, dass es jetzt wieder runter geht.
  • Die schöne Abfahrt zum Klöntalersee funktioniert auch mit den Gängen 8-14 und so sitzt auch Martin heute doch noch einmal im Sattel.
  • (8. Juli, morgen) Die Veloplusfiliale in Ostermundigen hat Martin eine Liste mit Händlern von Glarus bis Chur und ein Bild des entsprechenden Handbucheintrages geschickt: So beginnt die Telefoniererei. Ein Händler nach dem anderen sagt, er habe die entsprechende Feder nicht an Lager. Die meisten bedauern, dass sie nicht helfen können oder bieten sogar an, die Reparatur sofort zu machen, wenn wir die Feder irgendwo organisieren können. Nach vielen erfolglosen Telefonen nutzen wir unseren Kontakt bei Veloplus, der uns sofort in die Filiale in Zürich HB verweist, wo man Martin sofort einen Notfalltermin und eine Ansprechperson gibt. So sehen wir uns gezwungen, umzuplanen. Ohne Steigungen (und deshalb auch für Martin ohne Schieben) fahren wir 22 km vom Klöntaler- an den Walensee wo wir ins Camping einchecken. Mit dem Zug fährt Martin nach Zürich, wo sein Velo unter die Lupe genommen wird.
  • Nachdem alle einfach lösbaren Probleme ausgeschlossen sind, ist klar: Es bedarf einer detaillierteren Untersuchung und einem Aufschrauben der Nabe. Martin verbringt den Nachmittag wartend (und powerbankladend) im Restaurant. Um 17:30 ist es soweit: Das Velo steht zur Probefahrt bereit! Auf der Suche nach einem steilen Stück Zürich wird klar: Das Problem ist gelöst! Martin fragt nach: Die Freilauffeder (ein Hoch auf den Telefonsupport von Rohloff) war durch ein Mittel, das normalerweise Schrauben fixieren sollte, verklemmt. Die Feder wurde gereinigt und sitzt wieder wo sie muss! Vielen Dank für den raschen Service, Veloplus und die Zeit, die ihr euch genommen habt!

Wieder in Ziegelbrücke auf dem Camping gibt es Znacht (Gurke) und wir freuen uns auf eine Etappe mit 41 Gängen (27 bei Monika, 14 bei Martin)! Der Albula kann kommen!