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26. – 28. August – Bergen – Evanger oder warum Plastik gesünder ist als Gemüse

Es hat sich so eingependelt, dass wir in grösseren Städten jeweils einen Pausentag einlegen. So kommt es, dass wir kurz nach Stavanger in Bergen schon wieder zwei Nächte bleiben. Auch von Bergen wissen wir nicht viel mehr, als dass es die (selbsternannte?) «regenreichste Stadt der Welt» ist. Es ist je nach Quelle von 200 bis 257 Regentagen pro Jahr die Rede.
Neben einigen Besorgungen (beim Wasserfilter, den wir in den nächsten Tagen brauchen dürften, haben sich die Dichtungen nach Jahren des Nichtgebrauchs verabschiedet), wollen wir ein wenig Sightseeing betreiben und uns langsam konkrete Gedanken über die Rückkehr in die Schweiz machen. Zu letzterem entscheiden wir, dass wir über den Rallarvegen zurück Richtung Oslo fahren wollen. Dann je nach verbleibender Zeit mit der Fähre direkt ab Oslo nach Kiel oder mit dem Fahrrad weiter nach Göteborg und von da auf dem Wasserweg weiter nach Kiel fahren. Ab Kiel sollte es in zwei Fahrradtagen machbar sein, nach Hamburg zu gelangen, wo uns am 26. September der Nachtzug nach Basel erwartet. Am Sonntag, 27. September gegen Mittag fahren wir mit den Velos in zwei Etappen von Basel in unser neues Zuhause nach Oberlindach. Mehr oder weniger trainierte Mitfahrer*innen sind auf diesen zwei Schlussetappen oder auf einem Teil davon herzlich willkommen! Die Route werden wir noch bekannt geben.

Nun aber zurück zu dem, was wir bereits erlebt haben: Bergen zeigt sich uns am velofreien Tag von seiner besten Seite: Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel und die bekannten Fotomotive Bergens lassen sich nur all zu gut ablichten.

Wir entscheiden uns, einen Ausflug auf den Fløyen zu machen (in Bern wäre das mit einer Fahrt auf den Hausberg Gurten zu vergleichen…) und essen dort von Wespen umschwärmt zu Mittag.

Der Einkaufstrip ins Sportgeschäft, in dem es von Fahrrädern über Angelausrüstung bis Waffen einfach alles gibt, finden wir auch das Ersatzteil für unseren Wasserfilter. Angesichts der Verpackung ein Teil, nachdem seit Jahrzehnten niemand mehr gesucht hat. Die Gratiskonzerte in der Grieghalle sind leider ausgebucht (schade, Tschaikowsky’s 5. Symphonie hätte mindestens der gerade schreibenden Hälfte von TiMonTour gefallen!) So suchen wir uns ein Restaurant und finden uns vor einer vollbepackten äthiopischen Injera wieder. Afrika in Norwegen, warum nicht!? Am nächsten Morgen fahren wir los. Wir wissen, dass wir am Abend wildcampen müssen (oder dürfen – nicht alle freuen sich gleich darauf) und haben darum für heute kein Tagesziel. Die Route geplant haben wir bis Dale: 75 km und 1770 Höhemeter kündigt Komoot uns an. Wir sind sicher, dass wir das nicht an einem Tag schaffen werden. Dazu kommt, dass es für die Strecke von Trengereid nach Vaksdal keine Veloroute gibt, weil der Autotunnel für Fahrräder gesperrt ist. Wir haben über diese ca. 12 Kilometer lange Zeit recherchiert. Die Quellen sind spärlich. Die offizielle Route hört in Trengereid auf und beginnt in Vaksdal wieder. Für diese Strecke den Zug zu nehmen ist eine Option, auf die wir immer wieder stossen. Ein genialer Kopf betreibt allerdings ein Portal, auf dem sämtliche norwegischen Tunnels aufgelistet sind sowie deren Befahrbarkeit für Fahrräder (verboten, ungeeignet, frei oder nicht dokumentiert). Beim Tunnel, den wir nicht nehmen können/dürfen, finden wir unter Alternativen zum Tunnel folgende Info:

„…oder, auf dein eigenes Risiko, benutze den Raudbergtunnelen und gehe weiter nach Vaksdal via der alten Zugstrecke, welche sehr rau und durch mehrere alte und unbeleuchtete Zugtunnels führt.“

Bevor wir uns aber entscheiden müssen, ob wir uns auf eigenes Risiko ins Abenteuer stürzen oder nicht, müssen wir nach Trengereid kommen. Der Weg führt uns zuerst durch die Agglo von Bergen, an etlichen riesigen Einkaufszentren vorbei und dann auf einer schönen alten Strasse dem Fjord entlang. Bald wird uns klar, dass Komoot für einmal mit den Höhenmetern massiv übertrieben hat (eine prognostizierte Steigung von 21% stellt sich als flacher Abschnitt heraus…). So kommen wir bestens vorwärts und erreichen zur Mittagszeit Trengereid. Wir setzen uns in die Bushaltestelle und verspeisen unseren Lachs, als ein Fahrradfahrer vorbeikommt. Er hält an und wir kommen ins Gespräch. Er sagt uns, dass er die Route durch den alten Eisenbahntunnel nicht kenne, findet aber, wir sollen es doch versuchen. Dann schmeisst er einen grossen, gefüllten Sack in den öffentlichen Abfall. Er meint, er müsse jeden Tag diese Strecke fahren und halte es nicht aus, wie die Leute das wohl schönste Land der Welt so zumüllen können. Deshalb sammle er täglich alles Plastik, das er finde ein und schmeisse es ordentlich weg. Er treffe immer wieder auf Moralapostel, die ihm sagen, es sei wichtig, fünf Portionen Früchte und Gemüse pro Tag zu essen, um gesund zu bleiben. Er sehe das anders: «Pick 5 plastics a day and you start to feel really healthy!». («Sammle 5 Plastik ein pro Tag und du fühlst dich wirklich gesund!») Hut ab vor einer solchen Einstellung! (Gewisse TiMonTour-Elternteile könnten sich an dieser Stelle nun Sorgen über unseren Vitaminhaushalt machen… Wir können beruhigen und versichern, dass wir diese Lebensweisheit ergänzend zu unserem Gemüse- und Früchtekonsum sehen und nicht in Konkurrenz dazu.) Nach diesem spannenden Gespräch fahren wir los. Wir haben uns entschieden, den Versuch zu wagen und uns mit Stirnlampen bewaffnet ins Abenteuer zu stürzen. Nach einem ersten gut zu befahrenden Tunnel, stechen wir auf einen unscheinbaren Weg in den Wald ein und fahren durch hüfthohes Gras Richtung Fjord hinunter. Kurz bevor wir unten sind, ist der Weg ausgewaschen und in den Bach auf der Seite abgebrochen. Gut 20 Meter über Steine und Äste. Zu Fuss kein Problem, aber mit den Fahrrädern und dem ganzen Gepäck?

Tinu geht einmal rekognoszieren, wie es nach der Stelle weitergehen würde. Fazit: bis ca. 15 Meter in den Tunnel rein sollte es kein Problem sein, danach herrscht 1,5 Kilometer Dunkel- und deshalb Ungewissheit.

Wir entscheiden, trotzdem zu gehen und tragen die Fahrräder über Stock und Stein, immer schauend, dass weder Fahrerin noch Gefährt in den Bach abrutschen, zum Tunneleingang.

Dort angekommen werden die Stirnlampen an den Helmen befestigt und wir fahren los. Die Schotter der ehemaligen Bahnstrecke dienen als Fahrunterlage, was das Fahren nicht besonders angenehm macht. So entscheiden wir, die Räder zu schieben. Immer wieder tropft es von oben oder wir müssen tiefere und weniger tiefere Pfützen im Tunnelboden umgehen. Schneller als erwartet sehen wir plötzlich Licht am Ende des Tunnels. Als wir dem Licht immer näher kommen, sehen wir, dass es sich nur um einen Lichtschacht handelt und dass der Weiterweg danach gleich wieder in der Dunkelheit verschwindet. Bevor wir weitergehen bestaunen wir die verrosteten alten Lastwagen, die einfach hier abgestellt wurden.

Nun tauchen wir also wieder in die Dunkelheit… Als nach einer Weile dann noch einmal ein Licht erscheint und näher kommt, sind wir tatsächlich draussen. Das war spannend!

Das Abenteuer ist aber noch nicht zu Ende. Der Weg führt auf dem alten Eisenbahntrassee manchmal durch und manchmal neben alten Tunnels. Manchmal stehen grössere oder kleinere Hürden im Weg, die wir um- oder überfahren müssen und manchmal wird uns beim Blick nach unten zum Fjord mulmig.

Als wir wieder auf der aus dem Autotunnel kommenden Hauptstrasse ankommen, sind wir erleichtert, aber auch froh, das Abenteuer gewagt zu haben.
Der weitere Weg dem Fjord entlang nach Dale führt zu einem grossen Teil der vielbefahrenen Hauptstrasse entlang. Wir sind uns einig, dass wir dies noch so gerne gegen einen Holperweg austauschen würden…
Wir erreichen Dale viel früher als erwartet und fahren – immer nach einem zeltkompatiblen Platz ausschauhaltend – weiter. Die Route biegt bald von der Hauptstrasse ab und wir fahren auf einer verlassenen, wunderschönen Fjordstrasse norwegisch flach weiter. Auf der Karte sieht es so aus, wie wenn es beim Fjordende etwas flacher und somit das Zeltaufbauen möglich sein sollte. Kurz bevor wir das Fjordende erreichen – wir haben gerade TiMonTour’s 3000. Kilometer gefahren – schiesst direkt neben der Strasse ein Wasserfall ins Tal. Direkt daneben gibt es eine Grillstelle mit einem Stück Gras, wo unser Zelt hinpasst. Trotz Wassergetöse (das lässt sich ganz schnell ausblenden…) stellen wir unser Zelt hier auf.

Die 3000 km sind geschafft!

Weil der Wasserhahn, den wir uns vom Campingplatz gewohnt sind, fehlt, pumpen wir Wasserfallwasser durch unseren Wasserfilter, um kochen zu können.

Neben dem Wasserfilterersatzteil haben wir im XXL-Sportgeschäft auch einen neuen Reifen für Tinu’s Fahrrad gekauft. Nicht weil er platt war, sondern weil das Profil komplett durch war (die Reifen haben letztes Jahr bereits über 1500 km Schottland hinter sich gebracht…). So montiert Tinu am Morgen den neuen Reifen, bringt aber mit der kleinen Reisepumpe gerade mal 1.6 Bar hinein. Wer schon einmal längere Strecken mit tiefem Reifendruck gefahren ist, kann sich vorstellen, dass die nächsten Kilometer kein Genuss waren. So halten wir beim ersten Haus an (eine Busgarage) und erhalten den Druckluftschlauch in die Hände gedrückt. Perfekt – denken wir. Busse scheinen konsequent mit 1.8 Bar zu fahren. Mehr gibt die Pumpe nämlich nicht her. Es erwartet uns eine Steigung vom Fjordende (0 m) auf über 700 Meter und Tinu möchte mindestens ein wenig mehr Luft im Reifen. Deshalb halten wir beim nächsten Haus wieder an und gleich fährt ein Auto herbei. Wir fragen den Fahrer in Englisch, ob er eine Pumpe habe und er antwortet auf Deutsch er sei vor vier Jahren aus Deutschland hierhergezogen und die Pumpe hole er gleich. Er fragt, wie wir hierhergekommen seien und als wir es ihm erzählen, meint er, wir seien die zweitverrücktesten Radfahrer von denen er gehört habe. Auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage, wie wir denn die verrücktesten werden könnten, meint er, er habe in einer TV-Dokumentation einmal einen Fahrradfahrer gesehen, der durch den Schnee in Sibirien gefahren sei… TiMonTour ist sich einig, dass wir mit diesem – durchaus schmeichelhaften – zweiten Platz ganz gut leben können…
Mit vollen Reifen fahren wir durch schönste Landschaft immer aufwärts.

Als uns ein knalltürkisfarbener (wer noch nie von knalltürkis gehört hat: es gibt die Farbe, wir haben’s gesehen!) Porsche mit Deutschem Kennzeichen überholt, lächeln wir über die ungewohnte Farbe. Bei einem schönen Wasserfall steht der Porsche und die beiden Fahrer stehen davor und fotografieren. Wir halten auch an und kommen ins Gespräch. Die beiden mieten beim Fahrradpumpenausleiher eine Ferienwohnung und sie haben bereits von den zweitverrücktesten Velofahrern gehört. Sie sind beeindruckt und erklären, dass sie zurzeit im Angelsport genügend Herausforderung sehen. Wir fahren von der sympathischen Begegnung erfreut weiter und geniessen die Landschaft. Nach einigen Kilometern treffen wir wieder auf den auffälligen Farbtupfer in der Natur und kurz darauf einerseits auf ein Ortsschild, andererseits auf die beiden bisher erfolglosen Porschefahrer-Angler. Wir kommen erneut ins Gespräch und sie beneiden uns, dass wir unser Zmittag nicht erst fangen müssen. Das Ortsschild «Binningebø» erfreut sie ebenso wie uns, nachdem wir ihnen erklärt haben, dass Tinu’s computeraffine Grossmutter und mit über 80 wohl die älteste Blog-Leserin, in Binningen wohnt. (Wir freuen uns nach fast jedem Blogeintrag über einen Whatsapp-Gruss aus dem Baselbiet. An dieser Stelle: Ganz liebe Grüsse aus Norwegen, Grossmami!) Kurzerhand bieten uns die Porschefahrer an, ein Bild mit uns und dem Ortsschild zu machen.

Nach einer Diskussion, ob eine Tour wie unsere in ihrem Alter (20 Jahre älter) möglich wäre (sie finden Nein, weil ihnen in unserem Alter noch nichts weh getan hätte), fahren wir weiter. Als wir Mittagspause machen überholen sie uns wieder und wenig später wir sie noch ein letztes Mal. Welch ein freundlicher Austausch! Und wir geben zu, dass wir mit dieser Begegnung unsere Vorurteile gegenüber Porschefahrern ziemlich deutlich vor Augen gehalten bekamen.
Wir fahren weiter den Berg hoch und erreichen die Passhöhe. Welch traumhafte Landschaft!
Nach etwas Fotoshooting nehmen wir die Abfahrt unter die Räder.

Kurz bevor wir wieder am Fjord sind, erreichen wir den Camping in Evanger. Eigentlich wollten wir bis Voss durchziehen, aber der Camping gefällt uns so gut, dass wir kurzfristig entscheiden, dort zu bleiben. Wir werden die Entscheidung nicht bereuen. Denn wieder einmal durften wir eine spannende und inspirierende Begegnung erleben…
So steigen wir vom Fahrrad. Die über 1000 Höhenmeter spüren wir in jedem Muskel, was uns schmunzelnd an die Porschefahrer denken lässt…

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22. – 25. August – Stavanger – Bergen oder warum man in Norwegen im Paris italienisch essen kann

Nach der eindrücklichen Etappe gestern und dem herzlichen Empfang im Stavanger Bed and Breakfast wollen wir es heute ein wenig ruhiger angehen und die Stadt, die uns sofort gefällt, etwas näher unter die Lupe nehmen.
Dafür laden wir uns einen virtuellen Reiseführer runter und gehen ausgerüstet mit Ohrstöpseln durch die Gassen. Stavanger ist eine Stadt, von der wir beide vorher noch nie etwas gehört haben und wir können entsprechend vorurteilslos drauflosgehen. Wir entdecken eine Stadt, die viel Kultur beherbergt (Streetart, Klassik…), eine Stadt, die multikulturell ist, in der sogar wir mehrere Optionen haben, um essen zu gehen und eine Stadt, in der der norwegische Öl-Boom seinen Start fand.
Einen weiteren tollen Eindruck erhalten wir beim Spazieren durch die wunderschöne Holzhäuseraltstadt.

Etwas Mühe bereitet es uns, herauszufinden wie es am nächsten Tag weiter gehen soll: Die nationale Fahrradroute 1 geht mit der Fähre weiter. Diese Fähre wurde aber Ende 2019 durch einen (weiteren von über 1000) Tunnel ersetzt und sie fährt nicht mehr. Da kann uns nicht einmal die Hausherrin unseres BnB weiterhelfen, die anderen Reisenden die Fahrzeitauskünfte der Busse und Fähren aus dem Kopf gibt. Wir recherchieren und finden ein Schnellboot von Stavanger nach Nedstrand, wo die Route ebenfalls vorbeiführt. Glück gehabt! Andernfalls hätten wir wohl bei einem Buschauffeur „Bittibätti“ machen müssen, dass er uns mit allem was dazugehört mitfahren lässt (die Aussagen darüber, ob Fahrräder im Bus erlaubt sind oder nicht, gehen auseinander…).
Von Nedstrand geht die Route «norwegisch flach» (höchster Punkt 70 M.ü.M. und trotzdem über 700 Höhemeter auf 50 km…) weiter durch schöne Natur mit viel Wald und wenig Verkehr. Am Abend (das Schiff fuhr um 12:30 ab Stavanger und wir hatten 54 km zu fahren) erreichen wir Haugesund, wo wir auf dem Camping «den Stellplatz mit der besten Aussicht auf das Meer» erhalten. (Etwas erstaunt waren wir schon, weil der Campervan vor uns auch schon genau diesen Platz erhalten hat…). Dass das Beste auch seinen Preis hat, merken wir, als der Rezeptionsmensch diesen nennt: wir bezahlen mehr als das dreifache als auf anderen Campings in Norwegen. Aber: Die Aussicht war wirklich gut!

Den nächsten Tag starteten wir mit einer kleinen Challenge: wir haben gut 25 km bis zur Fähre und diese fährt alle 60 Minuten. Weil wir noch nichts zu Essen haben, planen wir die 11:30-Fähre zu erwischen. Weil der Regen uns beim Zeltzusammenbau mal wieder einen Strich durch die Rechnung macht, bleiben uns dafür 1,5 Stunden. Zu Beginn sind wir uns nicht ganz einig, ob überhaupt eine Chance besteht und deshalb öffnet sich zwischen uns bald einmal eine Lücke, bis wir entscheiden, dass es nicht reicht. So fahren wir im Geniesser*innentempo weiter und merken plötzlich, dass es doch noch reichen könnte. Um 11:24 sind wir bei der Fähre und rollen direkt drauf. Und gleich nach der 20-minütigen Überfahrt gibt es eine Einkaufs- und eine tolle Essgelegenheit. Über eindrückliche Brücken fahren wir von Insel zu Insel und landen schliesslich in Leirvik.

Der Campingplatz befindet sich etwas abseits des Zentrums auf einer Art Halbinsel. Um dort hinzukommen, dürfen wir noch einmal eine ultrasteile Strasse hoch und auf der anderen Seite wieder runter fahren. Mit erneut über 1000 Höhenmetern in den Beinen, freuen wir uns nicht besonders über diese abschliessenden und nicht einkalkulierten Steigungsprozente. Dass uns da auch noch eine alte Klapperkiste so kriminell überholen muss, dass der Gegenverkehr abrupt bremsen muss, um eine Frontalkollision zu vermieden oder uns in Gefahr zu bringen, nervt uns noch einmal mehr! Beide TiMonTours tun ihre Stimmung mit eindeutigen Handzeichen (Hand- nicht Fingerzeichen…) kund. Der Klapperkistenfahrer sieht dies und zeigt uns, ebenfalls mit Handzeichen und ähnlich eindeutig, dass er mit unserer Situationsanalyse nicht einverstanden ist. Glücklich, dass ausser Ärger nichts passiert ist und froh über die baldige Ankunft, nehmen wir die letzten Meter unter die Räder. Beim Camping angekommen, treffen wir auf einen sehr kühlen Empfang. Man könnte fast meinen, der Platzwart sei über unsere Ankunft nicht besonders erfreut (was überraschend ist, denn es gibt kaum andere Gäste auf dem Camping und da dürfte er sich eigentlich über die 150 Kronen freuen…). Die Erklärung für den speziellen Empfang steht bei der Rezeption um die Ecke: Auf dem Parkplatz steht DIE Klapperkiste und der Rezeptionist war der Klapperkistenfahrer mit der sich von der unseren unterscheidenden Strassenregelauffassung. Nach der leichten Verunsicherung (wollen wir HIER bleiben?) beginnen wir über die Situation zu lachen und freuen uns bereits auf den Blogeintrag darüber.

Am nächsten Tag wollen wir Bergen erreichen. Das einzige was uns klar ist, ist dass dafür mindestens eine Fährüberfahrt nötig ist. Die restlichen Möglichkeiten gehen aber deutlich auseinander: Kurze Strecke und Agglo umfahren dafür viel bezahlen für das Schnellboot direkt in die Stadt? Sehr flexible Fähre (alle 20 Minuten) und dafür über einen «hohen» (240 m.ü.M.) Berg und durch die Agglo oder gleich den ganzen Weg mit dem Boot zurücklegen? Die letzte Möglichkeit schliessen wir trotz einseitiger Regen- und Höhemetermüdigkeit aus. Wir sagen, wenn es auf die 12:50-Fähre reicht, fahren wir mit dem Schiff von der nächsten Insel direkt bis ins Zentrum. Sollte es aber nicht reichen, warten wir nicht bis am Abend auf das nächste Schiff nach Bergen, sondern nehmen von demselben Ort die flexiblere Fähre. Wir fahren also los und erreichen den Fährhof (sagt man einem Ort, wo viele Fähren fahren analog zum Bahnhof wirklich Fährhof? Wir wissen es nicht, gehen aber davon aus, dass der Leser oder die Leserin dieses Textes, weiss was damit gemeint sein soll… Anm. der Gegenleserin: sie würde diesen Hof eher Hafen nennen…) um 12:44. Kurzfristig entscheiden wir uns, doch die Alle-20-Minuten-Fähre zu nehmen und bis in die Stadt rein zu fahren. Vor lauter Faszination über das Fährtreiben am Fährhof lassen wir eine Fähre ziehen und nehmen die nächste, die ihre 45-minütige Überfahrt sekundengenau beginnt. Wir sind gleich noch einmal beeindruckt und machen uns auf den Weg nach einem Ticketschalter (etwas, das wir bei zwei vorherigen Fähren auch schon erfolglos getan haben…). Wieder finden wir nichts. Weitere 45 Minuten des Schwarzfahreringefühls sind uns dann aber doch zu viel. Wir fragen im Bistro nach. Unser Gesicht, als die Dame dort sagt, es sei gratis, scheint sie aber zu verunsichern und sie fragt beim Captain nach: Ja, Fahrradfahrer sind inklusive ihrer fahrbaren Untersätzen gratis und das auf den meisten Autofähren. Wir finden das eine schlaue Verwendung der (so sagen uns alle) sehr hohen Steuern und kaufen uns zur Feier des Tages einen norwegischen Kaffee (dazu später…) und ein Schoggimuffin.
Der Rest der Etappe ist schneller erzählt als gefahren: Der 240m-Pass fährt sich leichter als erwartet und durch die Agglo von Bergen führt ein perfekter Velohighway (noch mehr schlaue Ideen, wie man sinnvoll mit Steuereinnahmen umgehen kann). Wir erreichen unser Hotel «Citybox» problemlos und checken in das Smarthotel (= der Gast macht vom Check-in über das Frühstück und den Check-out alles selber) ein. Das Problem, dass auf dem ausgedruckten Blatt eine andere Zimmernummer steht als der Check-in-Computer uns mitteilt, lässt sich leicht lösen (der Vor-uns-Check-in-Benutzer hat sein Blatt vergessen und wir haben dieses gefunden). Die Frage, wo wir unsere Fahrräder parken können, kann uns keine Maschine mitteilen, da braucht es Menschen. Tatsächlich finden wir nach kurzer Suche «so jemanden» und werden in den 5. Stock auf die Plattform der Nottreppe geführt. Ein guter Platz für unser Wichtigstes!
Wir fahren unsere Velos über den Teppich direkt vor unsere Zimmertüre, um das Gepäck zu verstauen und anschliessend mit dem Lift in den 5. Stock.
Nach der wohltuenden Dusche machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Monika hat auf Tripadvisor vorsondiert und ist auf ein kleines Restaurant mit italienisch-norwegischer Karte gestossen. Wir gehen rein und werden zurückhaltend-freundlich vom Chef de Service empfangen. Wir bestellen bei ihm unsere Getränke, die er gleich selber vorbereitet. Nachdem wir auch das Essen bestellt haben, geht er in die Küche und bereitet auch unser Essen gleich selber zu. Dazwischen plaudert er ein wenig mit uns und freut sich so sehr, dass er mit uns Französisch sprechen kann, dass er uns gleich noch ein (natürlich selbst zubereitetes) Dessert spendiert. Als wir dazu Kaffee bestellen, erklärt er uns entschuldigend, dass er nur norwegischen Kaffee habe und keinen «richtigen». (Wenn wir norwegischen Kaffee nachkochen müssten, würden wir einen dünnen Filterkaffee kochen und diesen dann noch einmal verdünnen… Es lebe unsere Bialetti!). Er erzählt uns, dass er vor über 20 Jahren aus Paris eingewandert ist und nun in Bergen lebt. Als Omage an seine Herkunft und mit Anspielung auf die italienischen Gerichte, heisst sein Restaurant nun «Bella Paris»…

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18. – 21. August – Lunde – Stavanger oder eine Schlafbox und viiiel Regen

Vielleicht ist den aufmerksam Lesenden aufgefallen, dass unserem letzten Titel im Text nur halbwegs Rechnung getragen wurde. Irgendwas war doch da, mit Halbzeit vorbei. Wir holen dies nun nach. Auf unserer mässig erfolgreichen Pilz- und Beerensuche in Lunde haben wir uns nämlich zum ersten Mal ernsthaft darüber unterhalten, wann und wie genau wir denn zurückreisen wollen. Dank Corona und gewissen Einreise- / Quarantäneregeln wird dies vermutlich nicht so spontan möglich sein, wie unsere bisherige Planung. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema… Wir haben nämlich festgestellt, dass bereits die Hälfte unserer Reise vorbei ist. Sechs Länder haben wir mittlerweile besucht, zum Teil sind wir mehr hindurchgerast. Dies ist in Norwegen eher schwieriger und wir haben in den nächsten Wochen noch viel Zeit, in gemächlicherem Tempo die eindrückliche Landschaft zu geniessen.

Traumlandschaft in Norwegen

Nun aber zum eigentlichen Thema dieses Beitrags. Am Dienstag schwingen wir uns nach drei ruhigeren Tagen wieder auf die Sättel. Zu Beginn recht gemütlich dem Ufer des Telemarkkanals entlang, mit vielen Richtungswechseln, um die ganzen Einbuchtungen herum. Am Nachmittag verlassen wir den Kanal für eine Weile. Es geht in die Höhe – auf ganze 380 M.ü.M. 😀 Dafür erwartet uns zum Schluss eine tolle Abfahrt, etwas, das wir in Deutschland und Dänemark vermisst haben. Die Bremsen halten noch und so landen wir unbeschadet bei unserem speziellen Nachtlager. In einem alten Bootshaus – wiederum am Telemarkkanal – wurde kurzerhand eine Holzbox mit vier einfachen Betten hineinmontiert, die relativ günstig gebucht werden können. Da sich das Bootshaus in Bandaksli befindet, taufen wir das Gebilde Bandaksli-Böxli.

Bandaksli-Böxli

Es gibt sogar Tisch und Stühle und so packen wir nach dem Kochen unsere Spielesammlung aus und spielen im Bootshaus bis sogar unsere Solarlampe nicht mehr genug Licht spenden mag.

Am Mittwoch wird das Tempo gezwungenermassen noch einmal etwas gedrosselt. Kaum vorstellbar, aber nach ca. vier Wochen erreichen wir heute erstmals wieder mehr als 800 M.ü.M und das Höhenprofil bei Komoot zeigt nicht mehr durchwegs grün (=wenig Steigung) an. Wir freuen uns auf diese „Bergetappe“. Ein steiler Anstieg vor dem Mittag, „norwegisch flach“ (unser Name für Strecken, die zwar im Höheprofil bei der Planung harmlos aussehen, schlussendlich aber nie wirklich flach sind, nur die Steigungen sind kürzer) zwischen 640 und 830 M.ü.M. am Nachmittag und zum Schluss eine rasante Abfahrt auf den Flateland Camping. Dieser und ähnliche Namen seien in der Gegend in den Tälern ziemlich üblich. Der Campingplatzbesitzer interessiert sich für unsere Reise, verkauft uns Geisskäse, den seine Frau gemacht hat und in seinem Campingshop finden wir mehr økologisk Lebensmittel als in manchem Supermarkt. Da die Hauptsaison vorbei ist, hat es fast keine Leute mehr und der Campingplatzchef meint: „Es dürfen ja eh fast nur noch die deutschen Touristen rein.“ Kurz, wir haben mal wieder einen tollen Platz gefunden. Gerade als wir all unsere Kochutensilien auf einem Tisch bereitgestellt haben und 200m weiter vorne Wasser holen, überrascht uns ein Platzregen. Trotz Spurt können wir unsere Sachen nur noch nass ins Zelt retten. Wir lassen den Regen vorüberziehen und schaffen es in einer Regenpause draussen zu kochen und zu essen. Andere haben weniger Glück und kochen später unter dem Regenschirm.

Lustiger Name für einen Campingplatz nach einer Etappe mit über 1200 Höhenmeter…

In der Nacht gibt’s noch ein paar Schauer, aber wir starten trocken in den Donnerstag. Der Tag beginnt auch auf dem Velo gemütlich. Gut 20km „rasen“ wir (weil abwärts und mit Rückenwind) ins verlassene Touristendorf Valle. Hier füllen wir unseren Proviant und machen uns an die nächsten 20km, in denen wir in dreimal so viel Zeit wieder eine ganze Menge Höhenmeter sammeln. Zur Mittagszeit finden wir einen interessanten Platz. Auf 1000 M.ü.M. reiht sich Garage an Garage – über 100 Stück. Wir finden heraus, dass in jeder Garage genau ein Schneetöff gelagert wird, die im Winter hier gemietet werden können. In einem Holzhäuschen entdecken wir zwei Stühle und geniessen umgeben von Garagen und Schafen unser Mittagessen.
Kurz vor der Abfahrt heisst es dann Regenkleider anziehen. Auf der nassen Strasse können wir die steile Abfahrt nicht wirklich geniessen und sind froh, als wir unten sind. Triefend nass klingeln wir beim Campingplatz. Ein junger Mann öffnet die Tür zu einer Rezeption, die eher wie ein Wohnzimmer aussieht. Zu gerne würden wir es uns vor dem Fernseher auf dem Sofa gemütlich machen. Aber nein, wir suchen uns auf dem Feld eine Fläche ohne 10cm tiefen See und bauen im grössten Regen unser Zelt auf. Eine halbe Stunde später hört der Regen dann auf… Unsere Suche nach einem Tisch zum Kochen bleibt erfolglos. Der junge Wohnzimmerrezeptionist meint, er und sein Bruder hätten den Campingplatz erst übernommen und es sei noch ganz vieles in Planung. Er zeigt uns einen Tisch in ihrem Garten, den wir brauchen dürfen.
Am Freitag steht uns die Königsetappe bevor. Der Regen hält sich zurück, bis zum Zeitpunkt, als wir unser Zelt zusammenpacken wollen und so schleppen wir im Zeltsack noch einiges an Zusatzgewicht in Form von Wasser mit. Trotz Regen geniessen wir die wundervolle Landschaft oben in den Bergen.

Allerdings bleibt es nicht nur beim Regen. Plötzlich – wir sind fast am höchsten Punkt auf ca. 930 M.ü.M. – blitzt es und es sind ganz in der Nähe Donner zu hören. Dieses Grollen weckt neue Kräfte in Tinu, noch nie hat ihn jemand so schnell den Berg hoch pedalen sehen. Ein Unterstand ist weit und breit nicht zu sehen und so fahren wir ohne grössere Pause bis zum Restaurant Øygardstølen. Dieses Restaurant ist Ausgangspunkt für die Wanderung zum berühmten Kjeragbolten. Das Wetter nimmt uns die Entscheidung ab, diesen zwischen zwei Felsen eingeklemmten Stein zu besuchen oder nicht. Der Parkplatzwärter fragt trotzdem, ob wir wandern gehen. Sein Kommentar auf unsere ablehnende Antwort: „Smart!“. Er will wissen, woher wir sind und wie wir später feststellen, sind wir bei den Mitarbeitenden wohl Thema des Tages. Das Øygardstølen ist direkt am Felsrand gebaut. Von hier geht es 640m senkrecht hinunter zum Lysefjord.

Das Restaurant – von unten gesehen

Auch auf der anderen Seite ist dieser Fjord von einer ähnlichen Felswand umgeben. Uns bleibt deshalb nur die Fähre und noch gaaanz viel Zeit, bevor diese fährt. Wir machen es uns im Restaurant gemütlich, lassen unsere Kleider trocknen und beobachten das wechselhafte Wetter. Regen, Sonnenschein, Regenbogen, (Sturm-)Windböen… Die 640 Höhenmeter hinunter zum Lysefjord erwarten uns auf einer Strecke mit insgesamt 27 Kurven – inkl. Kehrtunnel.

Die ersten paar der 27 Kurven
Kurvendschungel…

Diese tolle Abfahrt möchten wir nicht unbedingt im Regen fahren. Als wir uns entscheiden aufzubrechen, meint ein Typ am Nebentisch, wir sollen noch eine Weile warten. Er hat recht, es schüttet und windet noch einmal so richtig. Schlussendlich fahren wir zwar trocken, aber leider nicht allzu rasant auf Meereshöhe hinunter. Die Fahrt durch den Lysefjord ist einmal mehr etwas, das Norwegen auf unserer Lieblingsländerskala nach vorne rutschen lässt.

Unsere Fähre durch den Lysefjord
Auch sie haben eine Pause verdient!

Leider fährt die Fähre heute nur bis Larvik, deshalb erwarten uns noch einmal 40km auf dem Rad bis Stavanger. Wir müssen ziemlich in die Pedale treten, da wir vor 20.00 Uhr im B&B in Stavanger ankommen müssen. Wir sind es uns schon gar nicht mehr gewohnt, aber die Strecke ist mehr oder weniger flach und wir schaffen es problemlos (mit Unterstützung des Windes) zeitig nach Stavanger. Die Rezeptionistin ist ziemlich gesprächig und wir erfahren diverse Interna zum Umgang mit dem Coronavirus und Gästen, die nicht mit Karte bezahlen wollen. Einen Fahrradplatz gibt es beim B&B nicht, wir dürfen aber unsere Räder ins alte Büro stellen, das brauche sowieso niemand mehr. Dank guten Restauranttipps unserer Rezeptionistin finden wir nach diesem langen, abwechslungsreichen und äusserst eindrucksvollen Tag sogar innert kürzester Zeit ein tolles Restaurant.

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11. bis 17. August – Oslo – Lunde oder Halbzeit vorbei und wir widmen uns neuen Sportarten

In Oslo angekommen, die Polizeikontrolle problemlos passiert, widmen wir uns erneut der Suche nach einem Velogeschäft. Wir finden die Bike Brothers und machen uns auf gut Glück auf den Weg zu ihrem Geschäft. Noch vor Ladenöffnungszeit werden wir sehr freundlich bedient und siehe da, wir sind für einmal am richtigen Ort gelandet. Der Rohloffmech gibt sich nicht allzu optimistisch, hat aber bereits einige Ideen auf Lager, die uns weiterhelfen könnten, wenn er das Problem nicht lösen kann. Wir lassen unsere Räder samt Gepäck im Geschäft und machen uns auf eine weitere Stadtbesichtigung. Wir besuchen unter anderem die berühmte Sprungschanze am Holmenkollen und beobachten die Langläufer*innen beim Sommertraining.

Am späteren Nachmittag können wir unsere Velos abholen. Das gerissene Lichtkabel ist geflickt und die Rohloff frei von Öl. Der Mech meint, es sei beinahe das komplette Öl ausgelaufen. Grund dafür seien Schrauben seien, die nicht richtig angezogen waren. Er bleibt aber vorsichtig und will lieber nicht versprechen, dass das Problem gelöst ist. Wir sind aber zuversichtlich und vor allem froh, dass uns so effizient und unkompliziert geholfen wurde.
Nun machen wir uns seit gefühlter Ewigkeit wieder einmal an einen kurzen Aufstieg auf den Ekeberg, wo wir unser Zelt zum ersten Mal auf norwegischem Boden aufschlagen.
Am Mittwoch freuen wir uns darauf, wieder ein paar Höhenmeter mehr zurück zu legen. Landschaftlich mag und die Strecke von Oslo nach Moss noch nicht so überzeugen. In Moss nehmen wir die Fähre (gratis für zu Fuss und mit dem Velo!) nach Horten. Die Strecke bis Skallevold führt nun mehr durch Wälder und entschädigt so einiges der anstrengenden Agglomeration auf der anderen Seite des Oslofjords. Hier schlagen wir unser Zelt auf. Die Coronamassnahmen der Platzwartin: Kugelschreiber und Duschchips werden vor der Übergabe desinfiziert und eine Wäscheklammer hilft ihr, die Tasten auf dem Kartenlesegerät ohne Berührung zu drücken. Nachdem sie uns den Campingplatz ausführlich gezeigt hat, zählt der kritischere Teil von TiMonTour die Berührungspunkte auf, die wohl keine Coronafalle darstellen, da die Berührung wäscheklammerlos erfolgte. Da wir bis jetzt noch nie auf einem Campingplatz einen Backofen zur Verfügung hatten und zu faul zum Einkaufen sind, besorgen wir uns bei der netten Campingplatzfrau zwei Tiefkühlpizzas, vom anscheinend besten Tiefkühlpizzahersteller Norwegens. Naja… (Ok, ein guter Tiefkühlpizzahersteller ist wohl auch ein Wiederspruch in sich…) Dafür gibt’s hier endlich ein Bad im Meer. Wie immer ist jemand von uns ganz schnell im Wasser, während sich die andere Person ziert und 1000 Ausreden erfindet, warum MANN nicht schneller ins Wasser springen kann.
Am Donnerstag finden wir nach einer kurzen Etappe einen Campingplatz auf einer Insel. Obwohl wir noch in relativ dicht besiedeltem Gebiet sind, beeindruckt uns die Landschaft bereits sehr.

Die Freitagsetappe führt uns lange Zeit der Küste entlang. Obwohl wir uns auf der nationalen Veloroute Nr. 1 befinden, fahren wir grösstenteils auf der Autostrasse.
Um unsere Sitzflächen ein bisschen zu schonen, beschliessen wir am Samstag einen Stopp im Fritidspark in Skien zu machen und uns für einmal etwas anderen Sportarten zu widmen. Der Minigolfcrack möchte gerne Minigolfen, dass die Bahn an der prallen Sonne steht, führt dazu, dass wir uns für Discgolf entscheiden. Ein Frisbee wird – wie beim Minigolf – über eine bestimmte Strecke in einen Zielkorb geworfen. Von Treffsicherheit kann bei uns keine Rede sein, der Spassfaktor steht klar im Vordergrund.
Von Skien bis Dalen (also eigentlich umgekehrt) befindet sich der Telemarkkanal. Dank Wikipedia und weiteren informativen Seite wissen wir, dass dieser 105km lange, mittels 18 Schleusenstufen 72 Höhenmeter bewältigende Kanal zu seiner Fertigstellung Ende des 19. Jahrhunderts als das achte Weltwunder bezeichnet worden ist. Am Sonntag verladen wir unsere Räder deshalb aufs Schiff und lassen uns bei nebligem Wetter durch den Kanal fahren. Bis auf die erste Schleuse, werden alle noch von Hand bedient. Am imposantesten ist eine fünffach Schleuse, mit der ganze 23 Höhenmeter überwunden werden. Wir sind fasziniert, dass ein solches Konstrukt vor weit mehr als 100 Jahren erbaut worden ist.

Da gehts hoch!

In Lunde verlassen wir das Schiff und nisten uns für zwei Nächte auf dem Campingplatz ein. Bevor wir unser Zelt aufstellen können, müssen wir noch die Hinterlassenschaft eines uns unbekannten Tieres entfernen. Immer noch auf der Suche nach alternativen Sportarten mieten wir uns ein Kanu und wagen uns noch einmal auf den Kanal.

Als wir einen Seitenarm des Kanals hochfahren (man hat uns dort einen schönen Badeplatz versprochen), begegnen wir einer Schwanenfamilie, die uns nicht ganz wohlgesinnt ist. Zudem sind wir jetzt ziemlich sicher, welches Tier sich auf dem Zeltplatz erleichtert hat. Die Schwäne machen sich fauchend davon und mit dem Bad klappt es doch noch.

Flügel hochgestellt: „Ich mag dich nicht!“

Auf der Rückfahrt witzeln wir, ob uns die Schwäne wohl beim Zelt erwarten werden. Und tatsächlich tun sie das! Ein belgisches Paar meint scherzhaft, sie hätten unser Zelt vor der Schwanenfamilie verteidigt (tatsächlich haben sie sich erneut ein Plätzchen einige Meter neben unserem Zelt gesucht, dass sie als Schwanentoilette benützen) und so kommen wir ins Gespräch. Relativ schnell erklären sie, dass sie bereits in Norwegen waren, als Belgien auf die rote Liste kam. Wir lachen, denn auch wir haben immer das Gefühl, uns rechtfertigen zu müssen.
Am Montag ist unser Ziel klar: Auf einer Wanderung genug Pilze fürs Nachtessen sammeln. Die Suche gestaltet sich relativ erfolglos und auch die Beeren hätten wir besser beim Aufstieg gepflückt. Beim Abstieg erwarten uns nämlich nur noch leere Sträucher. Als wir nicht mehr ganz so motiviert und sehr durstig beschliessen, aufzugeben, kann es Monika nicht lassen und kraxelt noch einmal den Hang hinauf. Und tatsächlich verstecken sich da noch ein paar Eierschwämme. Fürs Pilzrisotto reicht es zwar nicht, aber eine feine Sauce gibt es dennoch.

Immerhin!
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Dänemark - Norwegen

5. bis 10. August – Grenze Dänemark – Kopenhagen oder ein Kindervelo für die Jubilarin

Nach der überraschend einfachen Ankunft in Dänemark fahren wir gleich noch 25 Kilometer ins Land hinein, weil wir die gebuchte Jugendherberge in Nykøbing Falster erreichen wollen. Nach zwei Kilometern erreichen wir das zweite Jubiläum auf unserer Tour: die 2000 Kilometer sind geschafft!

Der starke Rückenwind bläst uns ins Land hinein und wir fahren teilweise mit 30 km/h über das flache Land. So macht’s Spass! In Nykøbing angekommen beziehen wir ein schönes Zimmer und finden im Städtchen etwas zu Essen. Die Stimmung ist gut und wir freuen uns endlich in Skandinavien angekommen zu sein.
Auch am nächsten Morgen verwöhnt uns der Wind und lässt uns die ersten Kilometer praktisch rasend zurücklegen. Als wir bei der schönen Holzfähre, die uns von der Insel Falster zur Insel Møn bringt, ankommen haben wir erneut Glück: wir warten keine 10 Minuten auf die Abfahrt der stündlich verkehrenden Fähre.

Weiter fahren wir hauptsächlich über Nebenstrassen, aber bei heissen Temperaturen (O-Ton einer etwas älteren Dänin vor dem Supermarkt: „You have to drink a lot, it’s hot!“ wir: „Yes we know and we did drink a lot!“ sie: „But I mean water!“). Der Wind kommt jetzt von der Seite, wir kommen nicht mehr gleich schnell vorwärts und die Sonne brennt! Da hilft es, wenn die Windschattenposition mal getauscht werden kann. Auch wenn es dabei bei der Navigation schon mal zu Missverständnissen kommen kann…
Total erschöpft erreichen wir nach knapp 110 km den vorreservierten Camping in Rødvig. Die trockenen Witze, die der Platzbesitzer macht („Are you warm?“), muntern uns auf. Tinu hat den Ehrgeiz, die nächste Etappe nach Kopenhagen noch unter 90 km zu kürzen. So startet er Komoot und beginnt zu planen. Während er zwischendurch die Corona-News checkt (etwas, das wir uns angewöhnt haben, um ansatzweise zu wissen, wo wir hin können und wo nicht), entdeckt er die nächste Hiobsbotschaft: Die Schweiz ist auf der norwegischen Quarantäneliste rot markiert. Das bedeutet, als Schweizerin muss man bei der Einreise nach Norwegen einen privaten Ort vorweisen können, an dem man sich für 10 Tage in Quarantäne begibt. Nicht schon wieder!

Unschöne Nachrichten im Bund

Jetzt kommt aber erst einmal Kopenhagen und wie es weitergeht schauen wir dann später! Wir schlafen wunderbar und machen uns auf die letzte Etappe zu einem Ort, mit dem wir vor unserer Tour nicht gerechnet hätten, der uns aber ohne Frage in Erinnerung bleiben wird! In einer Pause schreiben wir ein Mail an die norwegische Botschaft in der Schweiz und schildern unseren „Fall“, um herauszufinden, ob es für uns vielleicht ein Einreiseschlupfloch gibt. Weil bereits Freitag ist, rechnen wir aber nicht mehr mit einer Antwort vor dem Wochenende. Auch heute verwöhnt uns der Wind und wir kommen gut voran. Die Abkürzungen von Tinu (die Etappe ist jetzt noch 83 km lang) helfen zwar vorwärts zu kommen, bescheren uns aber auch immer wieder Fahrten an vielbefahrenen Strassen. (Nicht AUF diesen Strassen, sondern konsequent daneben. Wir haben in Dänemark kaum eine Strasse erlebt, die keinen zweispurigen Fahrradweg daneben hat.) Das macht uns zwar schneller, aber die Fahrt nicht zwingend schöner. Bereits bei der Einfahrt in die Stadt sind wir gleich mehrfach beeindruckt: Als erstes von der Architektur. Wir sind uns einig, (und das ist bei diesem Thema doch eher die Ausnahme) dass die modernen Gebäude toll aussehen. Auch dass jedes Haus ans Wasser angehängt ist, gefällt uns.

Später beeindruckt uns die Fahrradfreundlichkeit der Stadt. Die 1000en von Fahrrädern in verschiedensten Ausführungen funktionieren untereinander ohne grosse Probleme und die Autofahrerinnen nehmen Rücksicht auf die meist 2-rädrigen Verkehrsmitstreitenden. (Auch wenn sie bei einer Ampel gut und gerne 20 und mehr Drahtesel passieren lassen müssen, bevor sie rechts abbiegen können). Auch wir finden einen (aus unserer Perspektive, was die Einheimischen über uns dachten wissen wir nicht…) guten Umgang mit dem Velogewusel sind auf direktem Weg beim Hotel.
Mit Tinu’s Arbeitskollege gibt es heute nur ein schnelles Apéro weil er zum Znacht abgemacht hat. Trotzdem ist die Freude gross Tom und Janine auf diese doch etwas spezielle Art in Kopenhagen anzutreffen.

So verbringen wir den Abend zu zweit mit der traditionell ausgedehnten Restaurantsuche (zu voll, keinen Platz, keine Ahnung was das auf der Karte bedeutet, zu chic, nur Meeresgetier, italienisch ist zu wenig dänisch usw., wir erinnern uns an den Blogeintrag von München…). Nach einer Weile finden wir tatsächlich etwas (Burger und Salat. Man könnte hier diskutieren ob Pizza oder Burger dänischer ist…) und setzen uns erleichtert hin. Das Essen schmeckt! Bei der Rechnung bleibt uns aber die Spucke weg: Zwei Getränke, ein Salat (mit Lachs und anderen Delikatessen), und ein Burger: Etwas über 80 Franken. Etwas ernüchtert studieren wir zurück im Hotel die Big Mac-Studie und merken, dass uns in Norwegen ähnliches erwarten dürfte. Upps!
Huch da haben wir etwas vorgegriffen. Aber dass im letzten Satz Norwegen erwähnt ist, ist kein Zufall: In der Zwischenzeit hat uns die norwegische Botschaft nämlich folgende Nachricht zukommen lassen:

Wir freuen uns sehr darüber, nun doch noch in einem unserer Traumländer einreisen zu dürfen und buchen kurzerhand die Fähre von Kopenhagen nach Oslo für den Montagnachmittag.
Am Samstagmorgen bringen wir erst einmal Monikas Fahrrad zum Mechaniker. Am Telefon hat „Buddha Bikes“ einen sehr sympathischen Eindruck gemacht und auch als wir dort ankommen werden wir sehr freundlich begrüsst. Das zerrissene Lichtkabel zu reparieren sei eine kleine Sache und am Montag um 11 Uhr sei das ganz sicher erledigt. Auch ein Ersatzgefährt für Monika haben sie. Dass nun ausgerechnet das GeburtstagsKIND ein altersgerechtes Fahrzeug erhält amüsiert die eine Hälfte des TiMonTour-Duos und verunsichert die andere. Doch es dauert nicht lange bis sie die moderne Architektur Kopenhagens mit ihrem Eingänger mit Rücktritt im wahrsten Sinne des Wortes erFÄHRT. Und Freude daran hat sie auch noch!

Nach einem Nachmittag auf der Suche nach Schatten, machen wir uns mit Tom, Janine, Raphael und Jacqueline auf den Weg zum Restaurant. Sie haben etwas exklusives ausgewählt, meint Kopenhagenkenner Raphael. Dass es definitiv exklusiv ist, erkennen wir bereits am Michelinstern neben dem Eingang. Kurzerhand beschliessen wir, den heutigen Tag aus der Ausgabendurchschnittsberechnung unserer Reise zu streichen und das Essen zu geniessen (Was wir definitiv taten!).
Unser Gourmet-Nichtkennertum stellt Tinu unter Beweis als er kurzerhand das Handy zückte, um die grandiosen Essens-Zusammenstellungen fotografisch festzuhalten. Später am Abend erfahren wir, dass „man“ Essen fotografieren nicht macht. Tinu möchte es etwas näher wissen: Warum macht „man“ das nicht? Das Restaurant sollte doch ein Interesse daran haben, wenn ihre schönen Kreationen festgehalten werden?! Niemand findet ein logisches Darum: Ist halt einfach so! Darum erlauben wir uns auch die Fotos hier einzufügen:

Nach dem Essen und dem gemütlichen Bier im Anschluss (bis 0:00 aus dem Glas, dann umschütten in den Kaffeebecher: Dänemark hat diesbezüglich ausserordentlich strenge COVID-Regeln), verabschieden wir uns von der super Gesellschaft und fahren Richtung Hotel. Merci euch, es waren schöne Stunden, spannende Gespräche und wir konnten viel (unter anderem über Architektur) erfahren!
Nachdem wir den Sonntagvormittag im Waschsalon verbracht haben, wollen wir am Nachmittag noch den einen oder anderen Tourismus-Pflichtbesuch „erledigen“. Wir entscheiden uns gegen das Tivoli und für die berühmte Meerjungfrau.

Auf dem Rückweg zum Hotel kommen wir bei einem Platz mit vielen Restaurants vorbei. Wir machen ab, dass wir zur Znachtzeit diesen Platz nicht verlassen, bevor wir gegessen haben. Zuversichtlich heute Abend das schon fast legendäre Restaurantproblem umgehen zu können, gehen wir zurück zum Hotel. 2 Stunden später machen wir uns zu Fuss auf, den ominösen Platz aufzusuchen (Tinu hat auf der Karte extra einen Favoriten gesetzt, damit wir ihn sicher wieder finden.) Kurz nachdem wir beim Hotel losgegangen sind, kommen wir bei einem Restaurant vorbei. Wir gehen zweimal daran vorbei und schauen den Gästen unauffällig auf die Teller (ok, da würden wir verstehen, dass „man“ das nicht macht… Aber es hilft!). Sieht glustig aus! Also nehmen wir im ERSTEN Restaurant das wir sehen einen Tisch und essen wunderbar (und preiswert) zu Abend. Den Restaurantplatz mit dem Favoritenpunkt auf der Karte haben wir gar nicht erst betreten.
Den Montagmorgen haben wir detailliert geplant: Nach dem Frühstück bringen wir alles Gepäck von unserem Zimmer im 5. Stock in die Lobby. Als wir mit 4 mal laufen alle Taschen, Siggflaschen, das Zelt, die Regenkleidertasche und alles andere beim Lift haben, gehen alle Lichter aus und der Lift fährt nicht mehr. Stromausfall! Also tragen wir alles Gepäck die Treppe runter und checken aus. Der Nächste Punkt auf der Planungsliste ist, mit allem Gepäck und Monikas Ersatzfahrrad die fünf Kilometer zum Velogeschäft zu fahren. Doch weil an Monikas Gefährt keine einzige Tasche gehängt werden kann, muss alles irgendwie an und auf Tinus Fahrrad und Anhänger Platz finden.

Dass Monikas Fahrrad unter mässig kreativen Ausreden nicht repariert wurde enttäuscht uns, doch wir freuen uns auf Norwegen und können mit etwas konsequentem Nachhacken sogar verhindern, dass wir uns bei der Fähre zuhinterst in die Autoschlange (an der bratenden Sonne) einreihen müssen.
Nun sitzen wir in unserer Koje auf der Fähre und wenn wir morgen erwachen, sind wir in Norwegen.

Anmerkung: Die Norweger empfingen uns äusserst freundlich und der Polizist, der uns kontrollierte, schaute zwar genauer hin und fragte nach, liess uns aber problemlos einreisen! Nun haben wir die Fahrräder noch einmal zu einem Mechaniker gebracht und schauen uns Oslo an.

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Dresden nach irgendwo

3. bis 5. August – Bertingen – Rostock oder warum uns ein Bier wie wild in die Pedale treten lässt

Einmal mehr schmieden wir also unsere Pläne neu, bevor wir das nächste Zwischenziel erreicht haben. Nun geht es nicht mehr Richtung Kiel, aber dennoch an einen Hafen, wo eine Fähre auf uns wartet.
Am Montag packen wir unser immer noch nasses Zelt zusammen und verlassen das Tipidorf in Bertingen definitiv. Der Wind meint es immer noch nicht gut mit uns und wir kämpfen weiterhin gegen ihn an. Auch sonst kommen wir nicht so recht voran, aber es ist ja auch wieder einmal Montag.

Monika unterwegs auf dem Elberadweg

In Havelberg verlassen wir die Elbe endgültig und folgen einigen kleineren regionalen Radwegen, damit wir am nächsten Tag auf die neugewählte grössere Zielroute stossen können. Tja, wir merken bald, dass wir nicht mehr auf einem überregionalem Radweg sind… Landschaftlich zwar ganz hübsch, kämpfen wir uns plötzlich durch einen Wald, der aus Sandbergen besteht. Mit unseren schweren Rädern da durchzukommen ist nicht ganz einfach. Irgendwie will das Ziel nicht näher kommen. Dabei sind wir ziemlich gespannt auf unseren Übernachtungsplatz. Mehr per Zufall sind wir auf einen Platz, in perfekter Tagesdistanz (v.a. wenn das Bier ruft) gestossen, bei dem nicht so ganz klar war, worum es sich handelt. Am Telefon hiess es allerdings, das Zelt kann gestellt und bezahlt beim Badesee werden. Monika hat die von Tinu errechneten Kilometer im Griff und weiss genau, dass doch jetzt bald mal nach rechts abgebogen werden sollte, von einem See ist aber weit und breit nichts zu sehen. Plötzlich stoppt Tinu an einer Hausecke. Als wir rechts abbiegen landen wir tatsächlich auf einem «Campingplatz». Es gibt 5 Stellplätze für Wohnmobile (3 belegt), 6 Hütten (2 vermietet) und eine riiiiesige Zeltwiese, auf der unser Zelt als einziges fast ein bisschen verloren wirkt. Für 5 Euro haben wir den bisher wohl schönsten und auch saubersten Übernachtungsplatz unsere Reise gefunden!
Am Dienstag geht’s trotz Gegenwind wieder besser vorwärts. Die von Tinu geplanten Tagesetappen sind relativ lang, v.a. mit diesem wind, aber wir haben ein Ziel vor Augen und so bleibt nicht wirklich Zeit, uns etwas anzuschauen. Tinu möchte ganz gerne noch seine Abkürzungen erwähnt haben, die uns auf dieser Tour tatsächlich auch mal durch wunderschöne Waldwege führen und so nebst gesparten Kilometern auch unsere Durchschnittszeit ein bisschen aufbessern. Bei Alt Schwerin erreichen wir die Berlin – Kopenhagen Route, welcher wir nun bis ans Ende folgen.

Das nächste Zwischenziel heisst nämlich Kopenhagen. Tom (der im letzten Bericht erwähnte Arbeitskollege von Martin und Janine (seine Frau) verbringen einige Ferientage dort und haben uns nach unserem Hänger, als wir das Baltikum von unsere Liste streichen mussten, ein neues Ziel geliefert. Wegen ihnen sind wir nun ein bisschen in Eile, weil sie am Freitagabend mit einem Bier in Kopenhagen auf uns warten.
Geografisch sind wir momentan auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Wir fahren wieder vermehrt durch Wälder, über Stock und Stein bzw. Wurzeln und Tinu ist froh um den einrädrigen Anhänger.

Auch unser heutiger Schlafplatz liegt an einem der vielen Seen, davon bekommen wir allerdings nicht viel mit. Damit wir morgen nach Dänemark einreisen dürfen, müssen wir 6 gebuchte Übernachtungen vorweisen können. Das Buchen braucht einiges an Zeit und fällt uns ziemlich schwer, waren wir doch bis jetzt immer sehr spontan unterwegs.
Nicht ganz glücklich mit den in aller Schnelle reservierten Unterkünften fahren wir am Mittwoch relativ früh los. Bis Rostock sind es 85km und wir würden ganz gerne die Fähre nach Gedser um 15.30 erwischen, denn in Dänemark erwarten uns dann noch einmal 25km Fahrt – Buchung in Eile sei Dank. Mit einer anderen Buchung hat es etwas besser geklappt, der Wind lässt uns für einmal nicht im Stich. Er bläst uns Richtung Meer und wir erwischen unsere Fähre ohne Probleme.

In Rostock angekommen…

Nachtrag: Den Bericht oben haben wir noch im Bauch der Fähre fertig geschrieben, als wir darauf gewartet haben, an Land gehen zu können. Auf der Fähre war noch ein anderer Radfahrer. Wir haben bereits in Rostock gemeinsam diskutiert, wie das wohl ablaufen wird, wenn unsere Hotelbuchungen alle überprüft werden sollen. Er hat seine Reservationsbestätigungen, (Von Reservationen, die er bereits wieder storniert hat) noch in einem Copyshop ausgedruckt. Wir würden dann halt alle unsere Mails einzeln vorweisen, diese Regel war ja schliesslich nicht unsere Idee… Wir fahren also in Gedser von der Fähre, schön auf der Fahrradspur, eine kurze Strecke über den Hafen, neben einen Polizeiauto vorbei und dann sind wir im Dorf. Dort lachen wir uns alle drei krumm – zum Glück haben wir so viel Zeit und Nerven in das Buchen investiert…

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Dresden nach irgendwo

30. Juli bis 2. August – Dresden – Bertingen – oder ein Fluss, der Wind und viele Bekanntschaften

Mit etwas Enttäuschung im Bauch fahren wir in Dresden ab, weiter elbabwärts. Bald merken wir, dass der Wind weder gedreht noch nachgelassen hat. Für die mit 128 km sehr lange Etappe ist das eine unangenehme Entdeckung. So geht es denn auch eher mühsam voran und wir sind froh um jeden Wald, der den Wind etwas abhält oder jede Biegung der Elbe, die dafür sorgt, dass der Wind uns nicht ganz frontal trifft. Die Etappe zieht sich hin und wir sind auf der Suche nach dem Reiz des Elberadweges. Wir fahren oft durch Industriegebiete, durch riesengrosse Monokulturen (meistens kilometerlange Felder mit Weizen) und sehen die Elbe nur selten. Ob wir die falsche Elbseite „erwischt“ haben? Wir wissen es nicht. Den ganzen Nachmittag hat Tinu versucht auf dem Camping in Prettin jemanden zu erreichen, um sichergehen zu können, dass es für uns eien Platz gibt. Auf beiden Nummern auf der Homepage nahm aber niemand das Telefon ab. Nach 126 Kilometer Kampf gegen den Wind erreichen wir Prettin um 18:20 Uhr und überlegen, ob wir uns wohl zuerst beim Camping anmelden oder zuerst einkaufen sollen. Wir entscheiden uns für letzteres und sind um 18:45 vor der Barriere des Campings. Beim Büro stehen die Öffnungszeiten der Rezeption: Bis 18:30 Uhr… Doch die Rettung in Form einer Platzwartin kommt! Sie muss bloss noch etwas trinken, weil sie einen strengen Tag hatte. Die Idee finden wir gut und tun es ihr gleich. So ist das Eis gebrochen, wir haben einen sympathischen Empfang und überlegen gemeinsam, warum es Sinn macht, dass die Übernachtungsgebühr mit der Karte bezahlt werden kann, die Duschmarken aber nicht (Resultat der Überlegungen: Die Chefin will es so!).
So verbringen wir einen wunderschönen Abend mit Sonnenuntergang über dem kleinen See.

Am nächsten Tag stehen etwas über 100 km auf dem Programm. Die Hoffnungen, der Wind könnte gedreht haben, verwehen rasch und so kämpfen wir einen weiteren Tag gegen den Wind. Die Landschaft wird immer schöner und es gibt immer wieder schöne Abschnitte direkt der Elbe entlang. Wir verstehen langsam, warum der Elberadweg so gut ausgebaut ist und warum es kaum einen Kilometer gibt, auf dem kein Schild auf „Eispause für Radler“, „Radfahrerfreundliche Pension“ oder „Abschliessbare Fahrradparkplätze“ hinweist. (Die Berge vermissen wir trotzdem ein wenig! Die rund 250 Höhemeter, die wir auf dem Elberadweg zusammenbekommen sind hauptsächlich Auf- und Abfahrten vom Elbdamm). So treffen wir denn auch immer wieder Radfahrer und kommen mit ihnen und anderen ins Gespräch. Am Abend erreichen wir Aken und das Zeltfeld direkt an der Elbe (näher geht kaum). Beim Kochen setzen sich zwei Radfahrerfamilien zu uns und es ergeben sich spannende Gespräche im Englisch-Deutsch-Slowenischen Sprachengemisch (zur Freude der Eltern und zum Leid der Jugendlichen, dass letztere ihr Schulenglisch auspacken mussten). (An dieser Stelle falls ihr es lest: It was eine Freude, euch to meet!)


Am nächsten Morgen die Überraschung für alle: Der Wind hat gedreht! Vorfreude und grosse Ziele was die Tagesdistanz angeht kommen auf. Wir bleiben bei den geplanten 100 Kilometern. Tatsächlich kommen wir viel besser vorwärts als die Tage zuvor und wir haben Spass zu fahren. Immer wieder treffen wir Leute, mit denen wir ins Gespräch kommen: Da ist zum Beispiel der sympathische Fährmann, der sich zuerst über den Anhänger, dann über die Tatsache, dass Tinu („der Mann“) mehr Kleider dabei hat als Monika („die Frau“) und zum Schluss darüber, dass man 3 Monate Urlaub machen kann wundert. Oder da ist die Frau vor der Bank, die uns von Herzen einen schönen Urlaub wünscht. Oder da ist der Franzose, der in Leipzig lebt und sich trotz Corona-Regeln zu uns an den Tisch setzt und sich ein spannendes Gespräch entwickelt (Z.B.: Was bedeutet Zeit? Radfahrer haben einen eigenen Zeitbegriff, weil man die Welt auf eine eigene Art und Weise bereist und entdeckt).
So kommen wir nach einem heissen Tag (Wir haben „nur“ 32°C, das scheint ja im Gegensatz zu dem, was wir aus der Schweiz hören, harmlos. Geschwitzt haben wir trotzdem!) in Bertingen auf dem wirklich tollen und wirklich radfahrerfreundlichen Campingplatz an. Die „weltbesten Schweizer“ erhalten einen besonders schönen Stellplatz. Und dann kommt der Regen! Nachdem wir während den vergangenen Wochen einmal etwa 3 Stunden und zweimal etwa 1 Stunde Regen hatten, ist das ein seltsames Gefühl. Im Zelt sind wir aber im Trockenen und geniessen die Tropfen.

Warten auf besseres Wetter


Am nächsten Tag würden 133 Kilometer auf dem Tagesplan stehen. Bei strömendem Regen und Gewitter wollen wir uns das aber nicht antun und die Etappe zu kürzen erscheint uns nur bedingt sinnvoll, weil es für den weiteren Verlauf nichts bringen würde. So bleiben wir eine zweite Nacht in Bertingen und schmeissen unsere Pläne ein weiteres Mal komplett über den Haufen. Dazu aber das nächste Mal mehr. Kleiner Cliffhänger: Das das Ziel ist nicht mehr Kiel und Tinus Arbeitskollege hat etwas damit zu tun…